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Kommentar [1]
18. Februar 2007

Spielbudenplatz - Protokoll einer abendlichen Begehung

Thomas Wildner (Künstler, Amsterdam)
Maren Grimm (Künstlerin, Hamburg und Wien)
Kathrin Wildner (Stadtethnologin, Hamburg)

Spielbudenplatz, St. Pauli, Hamburg, 25.7. 06, 21.30 Uhr, ein Sommerabend, wenige Wochen nach der feierlichen Eröffnung des neugestalteten Platzes, auf dem Rand der Bühne vor dem Schmidt Theater sitzen
K: .....Irgendetwas stimmt doch hier an dem Platz ganz und gar nicht, es will so etwas wie ein zentraler Platz im Vergnügungsviertel sein, jetzt ist sogar Sommer, aber hier passiert nichts, ein bißchen verweistes Plastikmobiliar und diese riesigen eher abschreckenden Bühnen.

T: In Almere, Holland gibt es auf dem Hauptplatz auch so eine verschiebbare Bühne. Der Platz ist allerdings viel intimer, mitten in der Fußgängerzone und im Ausgehviertel, um den Platz gibt es Cafeterrassen. Da sitzt man aber nicht auf der Mitte, sondern am Rand, der Platz selber ist leer. Dieser Platz hier hat ja nicht einmal eine Begrenzung, diese Seite ist ganz offen, da ist einfach die vierspurige Strasse. Von der Grösse der Bühnen ist der Platz ja schon so konzipiert, dass es von den Proportionen stimmen würde, wenn die Strasse da nicht wäre.

M: Und wer soll die Bühne benutzen? Es geht wohl nicht darum, dass man sich selber etwas ausdenkt und die Bühnen benutzen kann? Dann würde hier vielleicht ein Zettel mit Telefonnummer und Kontaktadresse hängen.

T: Man könnte ja vermuten, dass die anliegenden Theater, hier gibt es doch drei oder vier, die Bühnen nutzen, Open Air Veranstaltungen machen, oder dass die kleineren Clubs Bands auftreten lassen. Ein Programm für diese Bühnen zu machen ist natürlich auch Arbeit und kostet Geld.

M: Aber man könnte sich ja auch vorstellen, dass es sich um ein sich selbst organisierendes Programm handeln sollte. Das was hier in der Mitte des Platzes ist, die Astra-Tische und Abzäunungen, ist ja gewissermassen auch so ein selbstorganisiertes Programm.

K: Irgendwie scheint es aber auch ein Boykott der Architektur des Platzes zu sein, diese Ansammlung von Astra Schirmen, Biertischen und Plastikdecken, der Reiterwagen für Würste und der wackelige Bambuszaun, der Erdinger Weissbierwagen und die Römerzeltlinge ....

M: Das sind alles Werbeträger...

T: Man müsste experimentieren, vielleicht die Bühne mal verschieben für eine Zeit und gucken wie der Platz dann aussieht, was dann passiert.

M: Könnten wir das jetzt machen? Das wäre ein schönes Bild, die beiden Seiten die Bühnen aufeinanderzuschieben und die Astratische dazwischen zerquetschen.....

K: Lass uns das mal genauer angucken.
Langsam über den Platz in Richtung Millerntor gehen,
an den temporären Bühnen und Bars innehalten
M: Du meintest, das sieht aus wie Boykott?

T: Ja, es ist wie ein Boykott oder eben eine Art der Aneignung des öffentlichen Raumes. Man will offensichtlich nicht, dass sich hier etwas mit den Bühnen ergibt.

M: Hier ist ja auch noch eine kleine Bühne in der Mitte aufgebaut.

K: Es gibt eine Ansammlung verschiedenster Sitzmöbel, Liegestühle, 50er Jahre anmutendende Sitzkissen, braune Barhocker, Biertische und Bierbänke, IKEA Stahlrohrmöbel...

M: ... ein Planschbecken..... und ein grüner Teppich

T: Die grossen Bühnen sind einfach zu voluminös, um sie selbstorganisiert zu bespielen, zu hoch, zu gross, wenn da eine Punkband zu dritt stehen würde, würde die ja verschwinden.

M: Eher für eine Big Band.

T: Oder für eine offizielle Theatervorführung.... aber hier ist ja noch eine kleine Bühne und noch eine...

M: Ganz viele kleine Bühnen zwischen den unbenutzten grossen Bühnen.

T: Das sieht so aus, als wollte jeder sein eigenes Süppchen kochen, als wollte man sich nicht organisieren und gemeinsam die beiden grossen Bühnen bespielen. Jeder macht seinen eigenen kleinen Raum mit Bühne, grenzt sich durch ein paar Zäune ab und hat was er hat.

M: Und hier ist noch eine kleine Bühne auf der auch gerade live musiziert wird und wieder verschiedenen Sitzgruppen, ein Podest, eine kleinen grüne Rutsche, gefakte Teakgartenmöbel, eine Zeltkuppel unter der die Technik steht und Liegestühle....

K: ....einige kaputte Korbsitzmöbel....

T: Das Mobiliar, auch wenn es chaotisch ist, stört mich gar nicht, ich finde viel beeindruckender, dass die Anordnungen und Räumlichkeiten so aussiehen, als ob sie Angst vor den grossen Bühnen hätten.

M: Ich finde das mit diesen vielen kleinen Sets ganz sympathisch, als Kommentar zu diesem grossen nicht bespielbaren Platz ....noch eine Wurstbude.

K: Es stimmt schon, die ganzen kleinen Ansammlungen, machen etwas mit dem Platz, es könnten ja auch noch viel viel mehr sein.

T: Was ich nicht verstehe, warum keiner die Bühnen benutzt, warum z.b. diese Holzelemente nicht an der Bühne stehen, so dass man auf die Bühne gehen kann, vielleicht darf man diese grossen Bühnen gar nicht benutzen, man darf damit gar nicht spielen... Man muss sie wahrscheinlich mieten. An der zweiten großen Bühne vor dem Operettenhaus stehen
K: Hinter dieser Bühne gibt es noch so einen erhöhten Platz, ganz schön eigentlich, würde sich als Gartenlokal anbieten, sie sind aber ganz leer, nichts passiert, dabei wäre es ein leichtes für die gelangweilten Leute vor dem Operettenhaus einen perfekten Sektempfang einzurichten.

T: Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich der Architekt das so gedacht hat. Diese Treppe an der Rückseite führt ja einfach gegen die Wand der Bühne. Die Bühne müsste in der Mitte des Platz stehen, eine Unterteilung in mehrere Plätze eine Struktur. Wenn sie freistehen würde, hätte sie mehr Patz Objekte zu sein. Sie sind ja auch mobil und sollten vielleicht jeden Tag oder jede Woche wo anders stehen, dadurch gäbe es eine Dynamik auf dem Platz, der sich immer verändert und vielleicht auch mit der Umgebung was machen würdeAm Rand des Platzes zurück in Richtung Davidswache gehenK: Wenn man sich hier die Läden anguckt, ist das ein ziemlich heterogener Ort. Auf der einen Seite diese Sex Worlds in ein paar wenigen alten Gründerzeithäusern, aber auch viel Nachkriegsarchitektur .... auf der anderen Seite ist die Meanie Bar, dann ein Sexladen, ein gediegenes Restaurant, eine Kneipe, Billiardsalon, ein Hotel... das Esso -Tankstellen-Imperium, das Docks auch so eine Adresse für grössere Pop-Konzerte. Überhaupt diese 50er Jahre Gelbsteinflachbau und dahinter die grossen Wohnscheiben.

T: Eigentlich könnte das ein ganz schöner Platz sein, aber die Strasse macht es kaputt oder die fehlende Begrenzung, das ist echt totaler Unsinn und wenn es nur eine Hecke wäre....

M: Diese gemischte Reeperbahnbebauung bis hin zum Millerntorplatz ist schon ziemlich interessant, das sieht alles so freigestellt aus. Man kann sich vorstellen, das der Platz ohne die Straße geplant wurde, dann wäre es etwas gan anderes. Aber die Reeperbahn, kann man natürlich nicht verkehrsberuhigen, außerdem ist es eine ziemlich wichtige Ost-West Achse der Stadt.

K: Aber wenn man sich diesen Platz ohne diese ganze Möblierung vorstellt, hat er schon etwas sehr gewaltätiges, mit diesen Pfählen als Lampen, sehr streng, die riesigen Bühnen, das ganze ist schon sehr massiv.Wieder an der ersten Bühne ankommen, vor der Davidswache stehenM: Diese Treppe bei der Davidswache funktioniert, ein echter hanging out Platz, da sitzen die Leute mit Mc Donalds Kronen auf dem Kopf, trinken, fotografieren sich gegenseitig, gucken.....

T: Es sieht einfach so aus, als ob das alles nicht fertig ist. Das kann doch auch baurechtlich nicht sein, dass es hier keine Geländer gibt an der Terrasse, genauso wie es verkehrspolizeilich nicht sein kann,dass es keine Begrenzung zur Strasse gibt... auch hier, wenn man betrunken ist, sieht man ja gar nicht dass hier so eine 1 m hohe Stufe ist. Und warum es unbedingt zwei bewegliche Elemente sein mussten, das ist doch völlig übertrieben. Es muss ja nicht zweimal dasselbe sein. Es hätte doch auch eine kleinere Bühne sein können für andere Veranstaltungen, ein Podium oder was auch immer.Noch einmal auf die Bühne setzen, über den Platz und die Reeperbahn schauenM: Wie soll man das Konzept verstehen, dass sich da zwei Bühnen gegenüberstehen, so battle-mässig?

K: Oder einfach um der Form, der Symetrie willen?!!!

T: Es hat etwas von einem Stadtplaner, Landschaftsarchitekten, der auch Kunstwerke macht.

K: So ein Environment Planer, temporäre Architektur, urbane Szenografie, all diese Begriffe und Professionen, die sich um den öffentlichen Raum bemühen.

M: ....Eventarchitektur

T: Ja das gibt es ja auch, wie der Theaterplein in Rotterdam von West 8, der ist etwas höher gelegen ganz mit Planken belegt, dann gibt es Lampen, die aussehen wie Kräne und auch als solche zu benutzen sind, mit dem Licht kann man dann Räume inszenieren.

M: Das erinnert mich an diesen Jeff Koons Vorschlag mit den Kränen, die die Gebäude um ein vielfaches überragen sollten, aber es hatte auch etwas von Symmetrie, wie diese Installation hier auch....

T: Das wäre ja dann ein Kunstwerk für diesen Platz gewesen.

M: Riesig gross, eine 110m Fläche zwischen den Kränen, auf 60 m höhe hätte die Installation gehangen.

T: Gab es nie die Idee hier einen Platz zu gestalten?

M: Doch, erst gab es die Idee einen Künstler einzuladen, der den Platz designt, da kam dann Jeff Koons, dagegen gab es allerlei Proteste... Dann gab es einen Entwurf, der eine riesige Metallfläche vorsah oder ein anderer wo der ganze Boden aus LED Bildschirmen bestehen sollte.

T: Aber ich meine ganz einfach mit roten Backsteinen pflastern, die Cafe mit grösseren Terrassen, eine Reihe von Bäumen, ganz einfach ...

M: Nein es gab immer eine grössere Ambition.

T: Genau so sieht es aus, wie eine Ambition, hier muss etwas grösseres passieren....

K: Ja es sollte eine neue Dimension von public space werden, so hiess es auch auf der Eröffnung vor ein paar Wochen.

T: Aber es gibt ja berühmte Beispiele und berühmte Architekten, die sich genau mit dem öffentlichen Raum beschäftigen. Aber vielleicht ging es gar nicht darum, sondern als wolle Vattenfall eigentlich schon immer LED Sponsor sein und dann brauchte man dafür eine Hülle und Astra sagt, wir brauchen Biertische und die Tiefgarage braucht ihren Zugang wie die Tankstelle, und das Theater sagt, wir wollen keine Konkurrenz zum Theater haben... Es sieht so aus,als ob hier so wahnsinnig viele Interessen mit einander konkurrieren, die es unmöglich machen hier etwas zu machen.

K: Ja aber das ist ja gerade die Herausforderung so eines Ortes, an dem viele Interessen aufeinandertreffen. Die Heterogenität und Widersprüchlichkeit, das ist doch gerade das, was öffentlichen Raum ausmacht. Ein Beispiel, dass mir da immer einfällt ist der Platz um das Centre Pompidou, der immer wieder als gelungener öffentlicher Raum zitiert wird. Aber das ist ja auch nicht nur auf Zustimmung gestossen, da ist einfach ein extrem belebtes, urbanes Viertel komplett abgerissen worden um etwas neues, u-boot artig darein zu setzen... und dieser Platz ist jetzt total belebt, funktioniert und wird als Vorzeigebeispiel genannt oder wie auch in Barcelona, dort gab es aber auch sehr viel Widerstand gegen die Umstrukturierungen und Gestaltungen von den nun in Architekturzeitungen hochgelobten öffentlichen Räumen....

T: So ähnlich wie hier passierte es auch mit dem Museumsplein in Amsterdam. Die eigentliche Idee war ganz anders, schön, einfach eine riesige Grasfläche... dann gab es aber die Anforderung einer Tiefgarage, die konnte nur finanziert werden, wenn da auch ein Supermarkt hinkommt, der Supermarkt brauchte einen grossen Eingang. Dann kommt der Fahrradfahrerbund und sagt, wir müssen über den Platz fahren können, brauchen einen Fahrradweg, der Ausgang von der Parkgarage muss dann wieder an der anderen Seite sein.... das Conzertgebouw sagt, wir wollen vor unserem Gebäude keine Bäume. Nach 5 Jahren ist der Platz fertig und alle jammern, wie schrecklich er ist.... hier stimmt ja nichts mehr, alles nur halb, nur Kompromiss. Letztendlich nach 10 weiteren Jahren ist es auch wieder wurscht, weil eh immer etwas passiert und die Leute einfach da sind.
Hier wird es nur so unmöglich gemacht, dass hier was passiert...

K: Wie der Platz wohl ohne diese ganze temporär Möblierung aussähe. Man kann sich das so als 3D Modell am Computer sehr gut vorstellen.

M: Ja genauso sieht es auch aus, als wäre es sehr überzeugend in der Powerpoint Präsentation gewesen....

T: Aber dann hat sich wohl doch niemand wirklich stadtplanerisch darüber Gedanken gemacht, dann ging es um dieses Licht und den Sponsor.... und dann sagt noch jemand etwas von einer Bühne ...Auf ein Bier in den park fiction Park gehen.
zu historischen Spektakeln auf dem Spielbudenplatz siehe auf THE THING
:
- Ein Riesengorilla für St. Pauli

Kommentar [1]
Malte Steiner schrieb am 06.07.2007 00:06

Die Bühnen und die Lichtanlage waren in der Tat für mehr ausgelegt. Vom zuständigen Lichtarchitekten wurde ich hinzugezogen, um Konzeptvorschläge und Kalkulationen für die Bespielung der Lichtanlage anzufertigen. Die Rückwand und Decke der Bühnen beinhalten diverse RGB Leuchtdioden, die zusammen ein grob auflösendes Display ergeben. Es sollte aber weniger Konkurrenz zu den umgebenden Werbeanzeigen mit wesentlich feinerer Auflösung darstellen, sondern mehr die Richtung einer Lichtskulpur mit Wahrzeichencharakter beschreiten, die permanent laufen soll. Neben der Konzeption sollte ich auch die Programmierung und eventuelle Hardwareerweiterung um diverse Sensoren anfertigen, diverse Konzepte mit weiteren Künstlern und Interaktionen waren angedacht. Leider konnte sich die Betreibergemeinschaft noch nicht dazu entschließen, die entsprechenden Mittel freizugeben, die Angesichts der Ausgaben des Bühnenbaus verschwindent gering sind. Somit liegen die Bühnen meistens im Dunkeln oder werden vom Demoprogramm der Lichtanlage gespeist.

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