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18. Januar 2007

Love is in the air

Fühlt sich an wie Urlaub in Thailand, überall rennen aufgebrezelte Typen rum. Chill-Musik und englisches Gesabbel im Hintergrund. Ich bin verwundert, alle sehen irgendwie gleich aus. Ich sehe eine Frau stehen, sie hat die hier wohl üblichen großen Brüste. Ich gehe näher ran, umkreise sie, finde es seltsam, dass ich einfach so um sie herumgehen kann ohne dass sie sich »wehren« kann oder will. Entdecke voyeuristische Züge in mir, die hier, ohne Gefahr einer peinlichen Entdeckung, flackern dürfen. Die Grafik ist süßlich, mein Rechner macht ein lauteres Gebläsegeräusch als sonst. Wo nur in diesem seltsamen paradiesähnlichen Land soll ich denjenigen finden, der mich behindert macht. ELAY auf der Suche nach seiner Behinderung Vielleicht kann ich es selber, im Menü gibt es die Funktion »detach objects« und ich lasse meine Brille weg und die schwarze Haar-Pracht wird ausgedünnt. Ein Papagei will mich zum Sprechen animieren. Ich bin müde, gehe jedoch nicht ins Bett. Verschwende hier lieber nutzlose Zeit. Mache mich jetzt auf die Suche nach einer Werkstatt für Körper. Einige fliegen durch die Gegend, ich kann sie gegen den Horizont sehen. Eben blieb ich unter einer Brücke stecken, ob mir hier etwas passieren kann? Beulen trug ich nicht davon, obwohl ich in vollem Lauf von unten gegen die Brücke knallte. Jetzt gehe ich ins Meer und bin auf einmal unter Wasser. Suizid scheint so nicht möglich. Eine Frauenstimme beschwört mich, nichts zu verpassen. Sie ist auch unter Wasser zu hören. Ich soll die Shopping-Opportunities des Second Life kennen lernen. Wieder an Land werde ich von/auf einem Schild gefragt, ob ich mich verloren fühle. Ich klicke bestätigend und bekomme die Information, dass ich mich auf einer Insel befinde und zuerst den Graduierten-Tempel finden muss, damit ich ins große, wirkliche Second Life darf. Mir wird erklärt, dass ich mit der Taste »f« fliegen kann. »e« und »c« manövrieren rauf und runter. Eigentlich will ich nicht fliegen. Ob ich mich schon hier auf der Insel behindert mache oder ob es schlauer ist, es später zu tun - vielleicht werden meine Schritte überwacht? Bestimmt werden sie es! Ich fühle mich konspirativ. Die ganze Zeit dudelt ein Soundteppich unter den Tastaturfingern hervor. Jetzt flog ich dann doch und es ist genauso wie in den Träumen meiner Kindheit. Man schwebt empor und sieht dabei wie ein Skispringer aus, aus dem Lautsprecher kommt ein zischendes Geräusch, passend zu den Flugbewegungen. Ich soll einen weißen Tempel suchen. Er ist von hier oben nicht zu übersehen. Als ich mich über ihm befinde beende ich meinen Flug mit »f« und lande unsanft. Die Figur rappelt sich auf. Die Frauenstimme will mich noch immer in die »secondlife world of shopping« einweisen. Es klingt so nach der schrecklichen Seite von Amerika, dass ich befürchte das Textprojekt nicht durchzustehen. Was soll der Sinn sein, genauso so eine dumme Konsumwelt aufzubauen, wie da draußen/hier drinnen? Der einzige Unterschied ist, dass hier jeder Loser mit DSL und zu viel Zeit reich, schön und cool auftreten kann. Eine weitere Großbusige tritt auf. Über ihrem Namen schwebt pulsierend in lila der Schriftzug »LOVE IST IN THE AIR!«. Ich weiß nicht, ob sie den dunkelhaarigen Typen meint, der da steht oder mich oder ob das überhaupt etwas zu bedeuten hat. Ich erinnere mich an Phantasien jüngerer Jahre, wo ich mir wünschte, dass Frauen mit Paarungswunsch ein rotes Licht auf der Stirn tragen würden, um sie besser zu erkennen. Zu der Zeit war ich dauerhaft »Single« und paarte mich selten. Es kommen pubertäre Partygefühle auf. Sie macht irgendetwas mit dem Händen, es sieht aus wie Bongo-spielen und geht dann weg. Ich bin perplex. Der andere Typ scheint kein Interesse zu haben, er bleibt stehen. Ich will ihr hinterherlaufen. Hier kann man sich richtig doof verhalten und es tut nicht weh. Ich manövriere zu langsam, sie ist verschwunden. Grausig, dass es User gibt, die hier wirklich leben wollen, denen das hier wichtig ist – obwohl - mir ist es auch wichtig, ich will ja darüber schreiben. Ich versuche »Dennis Shabazz« von der »German infogroup« fliegend anzusteuern. Ist aber nicht so einfach. Er fliegt weg und ich kann nicht folgen.

 

 

 

 

Mein Rechner ist schon ganz heiß geworden, hoffentlich gefährde ich nicht meine sonstige Arbeit durch diesen Ausflug. Ich fliege aufs Meer. Schönes Bild. Endlose Weite. Jetzt mache ich mich auf die Suche nach einem, der mich behindern kann. Diese Menschen hier machen mich verstört. Eben bin ich so hoch geflogen wie ich konnte und habe dann das Fliegen unsanft beendet. Tumb und theatralisch rappelt sich mein Avatar wieder auf. Ich warte auf eine Stimme die sagt. »Jetzt ist der Körper aber bald mal kaputt!«. Dieses Hintergrundgedudel und die allgemeine Nutzlosigkeit machen mich aggressiv. Ich will jetzt zum richtigen Second Life und dann ins Bett. Ich fliege zum Tempel und berühre die virtuelle Touchscreen. Auf meinem Bildschirm wird etwas geladen. Jetzt sprechen hier alle englisch. Ein Typ mit grünen Haaren kommt zu mir und spielt in meiner Nähe Bongos in der Luft. Diese seltsamen Handbewegungen sind wohl das erste, was man zu bewegen lernt. Bekloppt. Tage später werde ich verstehen, dass diese Bewegung immer dann auftaucht, wenn jemand im Chat-Modus eine Nachricht tippt. Ich habe Second life verlassen. Das Geräusch meines Rechners wird leiser. Das wird nicht einfach auszuhalten sein, sich in dieser Welt aufzuhalten. Wenn ich mir diese digitalen Sportstudio-Party-Fantasy-Klone ansehe, dann wünsche ich mir sehnlichst, zwischen ihnen auf dem Rollbrett zu sitzen und ihnen das Unsinnige und Vergebliche ihres Tuns zu spiegeln. Es ist vielleicht gar nicht notwendig, zu betteln, einfach leere Hüllen von erfundenen Behinderungen stehen lassen, vor den Geschäften in dieser überflüssigen Welt. Das ist meine Mission. Es würde mich ekeln, hier Gewinne zu machen. Ich will hiermit nichts zu tun haben. Das wird nicht möglich sein, es ist eine Illusion!

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