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7. Februar 2007

Der Anfuhrer

So, beim dritten Text angekommen fällt mir auf, dass ich in die zweite Welt meine Fixierung auf das Thema »Behinderung« mitnahm. Mit allen Tücken und Krämpfen. Mit den Vorurteilen, der vorweggenommenen Ablehnung und dem »trotzdem« hervorgepresst zwischen den Lippen, wenn ich an der Thematisierung festhalte und immer aufs neue alte Fehler mache. In dieser ersten Welt kann ich guten Gewissens nicht mehr damit landen, außer ich werde Vollprofi der Mitmenschlichkeitsorganisation oder Leidensabonnent oder Mitmenschenquäler. Meine fragmentierte Person taugt nicht zu eindeutiger Positionierung. Ausgehend von der Grundidee sollte ich mich von ihr entfernen. Ich könnte eine Skulptur bauen (lassen?), die das Thema »Behinderung« in SL versinnbildlicht. ELAY ist am besten selber die Skulptur, an der rumgeschraubt wird. Ein Modell für Ethik am Beispiel des behinderten Avatars, der vielleicht durch seine vermeintliche Unendlichkeit der Möglichkeiten behindert ist. Behindert durch Ungreifbarkeit - und alle bauen mit!

Mit dem Einführen ethischer Werte könnte ich Geld verdienen (Ich setze borniert voraus, dass es hier vor meiner Ankunft keine Ethik gab)! Meine Gutmenschen-Art ließ es mich in Gedanken dem UTE e.V. zuführen, dem vom mir gegründeten gemeinnützigen Verein, der mit Rollstuhlrampen die Welt rettet. Robin Hood virtually reloaded. Bestimmt täte es mir besser, unter mafiösen Strukturen organisierte Avatare zu meinem Wohle auf Betteltour zu schicken. Tut ja keinem weh und die können mit dem Geld doch eh nix anfangen!

Ohne mich auf diese virtuelle Welt einzulassen, ihre Regeln ihre Bedingungen, ihre Kultur hat es keinen Sinn, starrköpfig einen Rollbrettfahrer zu implantieren um vorzuführen, wie eindimensional behindert in ihrer Behinderungen ablehnenden Haltung diese virtuelle Konsumwelt sei. Vielleicht ist hier das Paradies für behinderte Menschen. Jeder hat die Wahl eines (behinderten) Körpers, wenn ich der Einzige bin, der sich selbst behindert, dann ist das ein Statement, von der Mehrheit der sich andere Freiheiten nehmenden (behinderten) Menschen ins Abseits gestellt.

Ich kaufte mir online das »secondlife guidebook«. Darin steht, ganz charmant, wenn man in ein anderes Land fährt holt man sich zuerst einen Reiseführer, um sich darüber zu informieren, dieses sei einer für SL. Das Vorwort schreibt der CEO (Chief Executive Officer, der Boss) von Linden Lab, der Betreiberfirma von SL. Er hat freundliche, blaue Augen und ein Sweatshirt an, auf dem in Fantasyschlieren irgendwelche Drachen und in altdeutscher Schrift die Worte »Der Anfuhrer« zu lesen sind. So sehen also die Führer heutzutage aus, smarte freundliche Jungs, die Cyberwelten erfinden, deren Regelwerk an faschistoide Staaten erinnert: Der Betreiber ist jederzeit berechtigt Nutzer ohne Angabe von Gründen aus dem Land zu entfernen (For any or no reason). Sie werden einfach gelöscht, eine Angst, die über meinem als subversiv empfundenen Tun schwebt. Ich gebe vor, mir einfach mal die Freiheit zu nehmen, als bettelnder Rollbrettfahrer aufzutreten und fühle mich dabei revolutionär. Auch etwas realitätsverkennend. Ohne eine Reaktion des zweiten Lebens auf mein Auftreten habe ich meine Meinung zementiert. Vielleicht ist der Betreiber froh um wirklich jede Freiheitsausübung - eine Marktwirtschaft der Ideen?! Eher schon wird es niemanden interessieren, was ich mache, solange es nicht geschäftsschädigend ist.

Wenn ich es schaffe, ein Ethik-Business zu etablieren, dann bedeutet das Gewinn für den Betreiber. Wie die »Borg« in Startrek ist das System auf der Suche nach neuen Informationen, Daten, Möglichkeiten, die es sich einverleibt, ohne das klassisch »Böse« zu sein. Einfach eine Struktur die alles, was ihr begegnet zu ihrem eigenen Nutzen erforscht ohne Skrupel. Mit meinem Auftritt in dieser Welt werde ich Teil der Welt, ich bin Mitgestalter und allein die Nachfrage und die Mehrheit entscheidet über meinen Erfolg/Misserfolg.


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