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19. Juni 2007

Simon Walsh / Wheelies

Eben traf ich Simon Walsh, der in SL die Diskothek »Wheelies« betreibt. Er sprach mich unter Wasser vor seiner Insel an. Ich hatte vorgehabt auf »second-ability-island« seine Emailadresse herauszubekommen, um ihn für mein Projekt zu befragen.

Glück war mir also hold. Eine seiner ersten Handlungen war, mir seine Freundschaft anzubieten. Ein gängiger Akt in SL. Es bedeutet, dass man stets sehen kann, ob der andere online ist. Ich akzeptierte schnell und mir fiel auf, dass ich selber noch niemandem Freundschaft anbot, ich weiß gar nicht, wie das geht. Annehmen ist einfach: den »akzeptieren«-Button klicken...

Ich fragte Simon, ob es eine Beleidigung/Kränkung für ihn wäre, wenn ich als nicht-behinderter Mensch in SL als Behinderter auftreten möchte, er verneinte. Auf meinen weiteren Vorstoß, dass ich ein behinderter Mensch sein möchte der auf einem Rollbrett bettelt antwortete er nicht. Er sagte etwas von »ownership«, was ich nicht sogleich verstand, später umschrieb er es mit der Kontrolle des behinderten Menschen über seine Erscheinung. Auf meine Frage, warum er seinen Bierbauch nicht auch dem Avatar gegeben habe sagte er: »personal choice« und »I like being slim«.

Während unseres Gesprächs trinkt er immer wieder aus einem Kelch. Er sprach wenig, was daran liegen kann, das er wg. seiner Spastiken nicht so schnell tippen kann.

Nach einiger Zeit fragte er, ob ich was dagegen hätte, wenn er etwas essen würde und ich schlug vor sich ein andermal zu unterhalten. Vielleicht bekomme ich ihn zu einer Email-konversation, nicht immer dieses doofe online-gechatte.

Meine Ausgangsidee erscheint mir immer mehr wie ein Makel, der mich sofort in zweifelhaftem Licht dastehen lässt. Ist doch durchgeknallt, jemand will als behinderter Dritte-Welt-Bettler auftreten und meint damit auch noch aufklärerisch zu wirken. Das ist doch eine Unverschämtheit den echten Bettlern gegenüber oder eben Mitgefühl auf unvorteilhafte Art ausgedrückt. Wenn ich mich an zwei der bettelnden Menschen erinnere, mit denen ich in Indien Kontakt hatte, dann bekomme ich noch immer warme und freundliche Gefühle, die anderen sind mir egal.

Ist es Treue (Werk-Treue, Konzept-Treue, Themen-Treue), die mich daran denken lässt, wie ich in SL auf eine Art behindert werde, dass ich mich an die Menschen auf dem Rollbrett erinnert? Will ich im Grunde die Menschen, die mich beeindruckten, nachbauen? Perverserweise sind auch einige ihrer Behinderungen wahrscheinlich von anderen an ihnen verübt, gestaltet, gebaut worden. An diesem Punkt zerreisst mich mein Interesse. Es ist vielleicht völlig banal und wirkungslos, dass ich darüber schreibe, aber es darf nicht verschwiegen werden, dass Menschen andere gezielt behindert machen, um dann an den Betteleinnahmen zu verdienen.

Aber es geht um meine SL-Erfahrungen nicht um Kritik an RL. Ich bin nicht glücklich mit der virtuellen Welt. Egal, ob denn der Avatar steht, sitzt oder verkrüppelt auf dem Brett hockt, es interessiert mich nicht. Ein Third Life, wo die Ideen und Gedanken gestaltlos miteinander kommunizieren fände ich besser. Diese ganze Mühe, die grafische Repräsentation nachzubauen, weist in die falsche Richtung. In diesem Moment habe ich keine Lust weiter zu versuchen so auszusehen wie es mir einst vorschwebte. Die politische Tat als behinderter Mensch aufzutreten haben Simon und andere behinderte Menschen viel glaubwürdiger umgesetzt, wenn sie ihre Avatare in Rollstühle setzen, weil das für sie selbstverständlich ist. In der »Behinderten-
Community« wird diskutiert, ob man als behinderter Mensch seine Behinderung in SL verstecken oder zeigen soll/darf. Da gehört die Diskussion hin. Simon geht noch weiter, er verteilt ein »Welcome-Paket« für alle »wheelies«-Besucher, in dem auch ein Rollstuhl ist. Es kann also jeder, der sich in einen Rollstuhl setzen will, dieses tun. Geht ins »wheelies«! Packt den Rollstuhl aus! Setzt euch rein! Verlasst ihn nicht mehr!

Mit der folgenden Adresse kommst Du direkt vor die Disko:
slurl.com/secondlife/Second%20Ability/194/63/27/


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