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Kommentar [1]
22. Januar 2008

Hölle Hamburg

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Hamburg suhlt sich in unverdientem Erfolg: durch einen geografischen und weltpolitischen Zufall boomt der Containerhandel. Mann verdient sein Geld wie immer: durch Warenumschlag. Auch die Immobilienpreise steigen, und so soll es bleiben, denn man will eine Hafencity bauen. Und dafür braucht man ein Image, ein Alleinstellungsmerkmal. Und das ist in Hamburg: der Hafen, das Meer. Für's maritime Image gibt's Geld: 9 Millionen für die schönfärberische BallinStadt - port of dreams, 15 Millionen für einen Hafenerlebnispark, über 30 Millionen für das provinzielle "Internationale Maritime Museum" (Tamm-Museum), und an die 200 Millionen an staatlicher Subvention fließen in die "Elbphilharmonie", eine betuliche Architektur in Schiffsrumpfform von Herzog & De Meuron. Hamburg in einem Taumel aus Alu-Glasfassaden, postinnovativen Geldströmen, großen Namen und bekannten Bildern.

Ted Gaier und Peter Ott haben einen Film gedreht, der im Herzen der Imagecity spielt - doch genau in den blinden Flecken der "Wachsenden Stadt". Virtuos verwebt "Hölle Hamburg" das Verdrängte aus jüngster Vergangenheit und Gegenwart des Hamburger Hafens: die Crew eines abandoned ship nimmt Kontakt mit anderen Zellen des Interklub auf. Die subversiven kommunistischen Seeleutegewerkschaft der 30er und 40erjahre, die auch in der Nazizeit im Untergrund des Hafens operierte, scheint bis heute überlebt zu haben. Doch haben sich in die klandestinen Praktiken, Elemente aus Woodoo und Tekkno eingeschlichen. Die international zusammen gesetzte, plattdeutsch und pidgin-english sprechende Crew, nimmt Kontakt zu einer Dokumentarfilmerin auf, die die Verflechtungen von globalisierter Wirtschaft, Ausbeutung und Sicherheitsindustrie recherchiert. Interviews mit Reedern, Versicherungsmaklern und internationalen Gewerkschaftern unterfüttern die Erzählstränge des Films, der in einer spektakulären Befreiungsaktion von Flüchtlingen aus dem Hafen kulminiert.

Ted Gaier und Peter Ott ist es gelungen, einen dunkel-verführerischen Film zu drehen, der als finsteres Musical zugleich die Geschichte des epischen Theaters reflektiert und neu erfindet. Danach hat der Blick auf den Hafen seine Unschuld verloren: "Hölle Hamburg" lässt die verdrängte Geschichte, die Körper der Ermordeten als Gespenster wieder auferstehen. Dieser Film ist das beste Anti-Aphrodisiakum zum falschen Traum von der maritimen Imagecity.

Unsere kleine Diashow gibt nur einen vagen Vorgeschmack von der Wucht dieses Films, der am 3. März im Hamburger 3001 Kino Premiere hat. Auf den Filmtagen in Hof gefeiert, kann der ungeduldige Kunstfreund den Film bereits jetzt in der von Anselm Franke kuratierten Ausstellung Mimétisme (25 Januar - 30 März 2008, Extra City, Antwerpen) sehen.

Christoph Schäfer

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Hölle Hamburg
, Regie: Ted Gaier und Peter Ott, Kamera: Deborah Schamoni, Hamburg 2007

Alle Bilder: Hölle Hamburg, (c) Ted Gaier, Peter Ott, Deborah Schamoni (Kamera)
Kommentar [1]
Wilfried schrieb am 27.07.2008 23:30

Wenn es eine DVD gäbe, würde ich die sofort kaufen, wenn bezahlbar. Die Rezension hört sich gut an.

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