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Kommentar [1]
11. September 2008

Wir, Ihr, Sie Künstler-Konferenzten

In Erwartung des Open Space 2.0
von Jan Holtmann

Am Samstag, dem 14 Juni 2008 fand sie statt, die „erste“ Hamburger Künstlerkonferenz. Eingeladen hatten der Hamburger Kunstverein und die Kampnagel Fabrik, wobei Kampnagel auch die Räumlichkeiten stellte. Die Konferenz wurde per Rundmail, durch persönliche Ansprache und das Kampnagelprogrammheft angekündigt:

...2008 .... widmen sich Kampnagel und der Kunstverein in Hamburg mit einem gemeinsamen Projekt der aktiven Kunst- und Kulturszene Hamburgs: In einer von beiden Institutionen gemeinsam kuratierten Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe an beiden Orten wird ein möglichst  breites Spektrum an Künstlerinnen und Künstlern und Kunstformen aus Hamburg vorgestellt. 
Als eine von mehreren Auftaktveranstaltungen findet ... auf Kampnagel die Erste Hamburger Künstlerkonferenz statt, ein OPEN SPACE mit dem Ziel, einen intensiven  Dialog zwischen Hamburger Künstlerinnen und Künstlern zu ermöglichen und Probleme, Einschätzungen und Visionen zur aktuellen Kunstproduktion in der Hansestadt zu diskutieren...
Als interdisziplinäre Ideenwerkstatt ist der OPEN SPACE sowohl Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung, zur Bekanntmachung vorhandener und geplanter Projekte, sowie zur Auseinandersetzung mit Kultur in Hamburg.


Man solle sich anmelden, weitere Kulturtreibende zur Teilnahme einladen und das Mittagessen gäbe es verbilligt. In Zusammenhang mit dieser Veranstaltung erreichten mich zwei Arten von Anrufen:

1. Vor der Konferenz: „Sag mal, gehst du auch hin zu dieser Künstlerkonferenz?“


Als Künstler war man doch erstmal überrascht. Keiner wusste etwas Genaues:
„Eine Konferenz? Für uns? OPEN SPACE? Was ist denn das überhaupt?“ – Und: „Geht man da hin?“ In den verschiedenen Gesprächen kristallisierten sich einige Vorbehalte und Vorurteile heraus. Hier ein kleiner Ausschnitt:

❃    Was soll das? Was bringt das? Wer hat etwas davon?
Warum macht das nicht eine „neutrale“ Institution? Warum machen es die KünstlerInnen nicht selber? Ist das ein verdecktes Casting?

❇    Das ist ja ganz schön basisorientiert. Erstaunlich! Mit einem Mal! Noch basisorientierter wäre eine Besucherkonferenz. Gib es das demnächst auch oder hat man die Besucher schon aufgegeben? Oder ist es ein Vorgehen, um über KünstlerInnen wieder an Besucher zu kommen?

❂    „Erste Künstlerkonferenz“. Das ist etwas vermessen. Die Hamburger Kunstszene ist doch recht vernetzt. In Hamburg gab und gibt es so viele Kommunikationsplattformen, auf denen Kulturtreibende auf unterschiedliche Weise verhandeln, sich organisieren und was auf die Beine stellen. Allein schon die Markierungen auf einer Auflistung von der „AG bildende Kunst“, die vor Jahrzehnten mit ihren Konzepten neue Maßstäbe setzte, über „artgenda 2002“, in der sich die Biennale Künstler selbst kuratierten bis zum Off-Kunst-Festival „Wir sind wo anders“ von „Konferenz-Künstlern“ werden Protest ernten: „Warum wird unser Ansatz hier nicht genannt.“ Nun kann man Kenntnisse hier von Kampnagel und Kunstverein auch nicht erwarten. Die Kampnagelleitung ist neu in der Stadt. Und die sich selbst organisierende Szene wird das Interesse des Kunstvereins an ihren Aktivitäten zum einen als mangelhaft bezeichnen, zum anderen speist sich ihr Aktionspotential aus dieser Vernachlässigung.

❆     Okay, in der Kulturwelt und speziell in Hamburg gibt es etliches zu klären, die Aufgaben und Probleme in Hamburg sind zahlreich, ihre Bearbeitung lässt zu wünschen übrig und ist dringend. Manchmal scheint die Szene doch recht frustriert und der Kunstverein und Kampnagel waren daran auch nicht unbeteiligt. Und jetzt wollen sie etwas ändern? Erstaunlich, allein schon, wenn man sich die Geschehnisse der letzten Vorstandswahlen im Kunstverein vor Augen führt, fällt es schwer, dies mit einem „OPEN SPACE“ Verfahren zu assoziieren.

❇     Aber, wieso machen das denn Kampnagel und der Kunstverein zusammen, zumal im Kunstverein auch noch ein Leitungswechsel ansteht und Kampnagel seinen Fokus in den letzten Jahren nicht auf die Produktionsebene der Hamburger bildenden Künstler gelegt hat?! Mit KX und K3 sind dort seit 2003 sogar zwei Showrooms der bildenden Kunst geschlossen worden. Nun, nach dem Intendantenwechsel, jetzt soll Kunst da wohl wieder eine Rolle spielen? Auch gut!

❁    Können da neue Impulse und Konstellationen etwas bringen? Aber was stecken denn für finanzielle Mittel dahinter, oder reicht einfach eine neue Methode und eine neue Konstellation?
Kampnagel und der Kunstverein erscheinen doch wie unbewegliche Tanker, für die Mittel, die ihnen zur Verfügung stehen, sind sie viel zu groß.

❈      Aber, die neue Intendanz kommt aus Berlin und es wird befürchtet, dass sie die „Berliner Arbeitsbedingungen“ mit nach Hamburg bringt. Die Berliner Arbeitsbedingungen werden von Hamburger Theatertreibenden so beschrieben, dass es weder Honorar für KünstlerInnen gibt noch sonstige Projektgelder. Die KünstlerInnen müssen selbst mitbringen bzw. woanders organisieren. Bei den Berliner Arbeitsbedingungen kocht die Gerüchteküche fast über. Sie beziehen sich vor allem auf die Theater-, Performance und  Tanzszene um das Berliner Hebbeltheater und die merkt auch noch an: „Verbilligtes Mittagessen, das sagt doch schon alles.“
Ich kenne mich im Theater nicht so aus, aber die bildenden Künstler kriegen in Hamburg auch kein Honorar und da die Sammler künstlerischer Artefakte in Hamburg selbst von Seltenheitswert sind, wären Hamburger KünstlerInnen (wovon leben die eigentlich, die Künstler und Künstlerinnen in Hamburg?) doch genau die richtigen Partner, wenn es darum geht, das Programm einer Kulturinstitution ohne Produktionsetat (wer lässt denn so etwas zu und warum?) zu erstellen.

❋     Ich weiß nicht, ob ich mir das gebe. Da droht ein stundenlanges Lamentieren. Gesprächskreise von KünstlerInnen sind echte „Differenz-Maschinen. Es findet sich immer einer, der das Gegenteil behauptet.“ Wenn da „jede KünstlerIn“ hinkommt oder es nicht sehr, sehr gut moderiert ist, dann wird die Konferenz nur schwer auszuhalten sein und es wird ein langwieriges dumpfes Gelaber geben.

❊    Die Konferenz soll in der Form eines OPEN SPACE stattfinden. Jetzt wird’s unsachlich: „Erst Kölscher Klüngel, dann Open Space“ — bösen Gerüchten begegnet man am Besten mit Recherche. Was ist denn das überhaupt, ein OPEN SPACE? Wikipedia.org klärt auf:

Open Space Technology ist eine Methode zur Strukturierung von Besprechungen und Konferenzen. Sie eignet sich für Gruppen von etwa 8 bis 2000 Teilnehmern. Charakteristisch ist die inhaltliche und formale Offenheit: die Teilnehmer geben eigene Themen ins Plenum und gestalten dazu je eine Arbeitsgruppe. In dieser werden mögliche Projekte erarbeitet. Die Ergebnisse werden am Schluss gesammelt.

Die Open Space Technology wurde in USA von Harrison Owen um 1985 „entdeckt“ ... Er habe ein Jahr lang einen Kongress für 200 Organisationsentwickler vorbereitet, der soweit auch befriedigend ablief. Ein Freund hätte dann zu ihm gesagt: „Weißt du Harrison, es war großartig, aber das Beste waren die Kaffeepausen“. Harrison habe danach ... überlegt, wie man eine Konferenz gestalten könne, die nur noch aus Kaffeepausen besteht ... sich an seine Erfahrungen als Zuschauer bei der Organisation eines Festes in einem afrikanischen Dorf erinnernd, habe er dann Open Space „entdeckt“. Diese „Coffee-break“ Metapher ist bis heute prägend für das Selbstverständnis von Open Space.

Ziel des Open Space ist es, in kurzer Zeit mit einer großen Zahl von Menschen zu einem umfassenderen Thema eine Aufbruchstimmung zu nutzen (oder zu erzeugen) und zu vertiefen, in der wesentliche Teilthemen innovativ und lösungsorientiert besprochen werden, damit daraus konkrete Projekte entstehen können.


Mit einer großen Zahl von Menschen zu einem umfassenden Thema eine Aufbruchstimmung erzeugen? Wo wollen Kunstverein und Kampnagel denn hin?

❅    Einen Aufbruch muss man ja nicht gleich erwarten, aber die Bedingungen sind in Hamburg ja so, dass die Voraussetzungen dafür nicht einfach zu gestalten sind.

Also, wir stellen fest: a) Es ist gar nicht so einfach, so etwas in Hamburg anzuschieben. Der Bedarf ist zwar da, denn Probleme gibt es genug. Und zu diesen gehört auch die Bedenkenträgerei. Die oben aufgeführten (Vor-) Urteile entstanden zwischen bloß einer Hand voll Hamburger KünstlerInnen.
Und b) Vorbehalte hin, Vorbehalte her, ich bin dabei, bei der „Ersten Hamburger Künstlerkonferenz“. Ich habe mir mein Essensgeld eingesteckt. The proof of the pudding is it’s eating. Ich habe ein Faible für solche Plattformgeschichten. Das versprach Theater ohne Schauspieler und Regisseur. Und schlussendlich war es ja Wochenende, da hat man als Künstler ja Zeit, und weil man als Künstler immer im Beruf ist, kann man ja auch am Wochenende mal konferieren, beratschlagen, Rat geben. Und, weil Wochenende ist und man in der Woche in Hamburg als Künstler schon gut verdient hat, kann man das ja auch mal unentgeltlich machen, und mal hingehen und schauen, was das so ist, eine Künstlerkonferenz, und wie das so aufgezogen wird.
Zudem schätzt und produziert der Autor dieser Zeilen Programmformate, bei denen die Auseinandersetzung mit der Frage, ob man die Veranstaltung besucht, quasi schon Teil derselben ist, also die Veranstaltung schon mit den Überlegungen ihrer potenziellen Teilnehmer über deren Teilnahme beginnt.
Dieser Aspekt ist in der Kunst wirklich zu beachten. Im Gegensatz zur Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio muss der ausbleibende Besuch eines Kunstvereinsmitglieds im „Clubhaus“ nicht als Pflegelosigkeit und Lieblosigkeit oder gar als verschenkte Ausgabe gewertet werden. Der geringe Besuch eines Kunstvereins durch seine eigenen Mitglieder besagt ja eher, die Sache Kunst und auch ihr Verein, ist uns so wichtig, dass wir sie gerne finanziell fördern, auch wenn wir unsere Gründe haben nicht hinzugehen. (An dieser Stelle ein Vorschlag für einen Gesetzesantrag: eine „Glaubenssteuer“ könnte doch Sinn machen. Jeder bezahlt 1% seines Einkommens und gibt an, woran er glaubt, also wofür dieses Prozent verwendet werden soll ... Religion, den 1.FC St. Pauli oder Kunst)

Und, um es kurz zu machen, 60 KünstlerInnen konferierten nach einer Einweisung in das Open-Space-Verfahren für einen Tag lang. Es war interessant, aber den auf Wikipedia versprochenen Aufbruch durch das Format Open Space habe ich nicht ausmachen können. Zudem habe ich die Konferenz mit einer unterschwelligen Unzufriedenheit verlassen. Dieses sonderbare Gefühl wäre wohl so unbeachtet und unreflektiert versackt, wenn nicht noch ein Anruf gekommen wäre, der mich zu einer weiteren Auseinandersetzung mit der Künstlerkonferenz aufforderte.

2. Form eines Anrufs nach der Konferenz: „Du warst da doch auch auf der Künstlerkonferenz, willst du darüber nicht für „THE THING“ schreiben?“

Ups & Ooh:

-    Okay, ich kann jetzt sagen, wer der Ersten Künstlerkonferenz beiwohnte: Dass da nicht nur KünstlerInnen der verschiedenen Disziplinen teilnahmen, sondern auch KuratorInnen, PressereferentInnen oder WerberInnen; dass die meisten wohl eher über eine persönliche Ansprache als über die öffentliche Bekanntgabe zur Teilnahme an der Konferenz bewegt wurden, dass man sich kannte, denn nicht nur mit den KollegInnen des eigenen Genres hat man sich schon öfter ausgetauscht, sondern auch mit dem einen oder anderen Performer oder Musiker grüßt man sich schon länger oder arbeitet zusammen. Ich könnte berichten, dass hier und da aneinander vorbei geredet wurde. Ich könnte berichten, worüber lamentiert wurde, ich könnte beklagen, dass das vergünstigte Essen nicht schmeckte oder ich könnte jetzt die verhandelten Themen aufzählen und berichten, dass die Runde „Hamburg peinlich“ am besten besucht war.
-    Aber irgendwie schwant mir, dass man da nicht wirklich drüber schreiben kann, vielleicht auch nicht wirklich sollte.
-    Auf’m Job wäre ein öffentlicher Bericht aus der Mitarbeitersitzung indiskret. Aber auf dem Job wird die Mitarbeiterbesprechung auch nicht so öffentlich angekündigt. Bei der Künstlerkonferenz waren wir ja alle auf’m Job. Ungefähr 60 Profis nehmen sich einen Tag Zeit. (Bei knapp 10 Teilnehmenden könnte es auch bezahlte Arbeitszeit gewesen sein.)
-    Ein vollständiges Abbild der Künstlerkonferenz ist bei drei Gesprächsblöcken von jeweils vier parallel stattfindenden Arbeitsgruppen sowieso nicht möglich. Keiner der Teilnehmer hat alle mitbekommen können. Und es gehört zu der Open-Space-Methode, dass jeder frei zwischen den Gruppen umherlaufen kann oder auch gar keiner Gruppe beiwohnt, sondern nur am Buffet steht, futtert und dort mit dem einen oder anderen ins Gespräch kommt. Der Versuch, die Inhalte für Außenstehende nachträglich darzustellen, passt nicht zu dem Verfahren.
-    Und nicht ganz zufällig erscheinen die von den TeilnehmerInnen angefertigten Protokolle, die zu den Tools des Open Space gehören, wenig gehaltvoll und sind von eher bescheidener Qualität. Nicht zuletzt obliegt es mir, die Protokolle hier zu veröffentlichen.

Einfach wäre es darzustellen, dass  die Künstlerkonferenz nur Theater war. Aber ein schöner, partizipatorischer Theatertag ist sicherlich nicht nur mir zu wenig. Gewinnbringend ist es hingegen, das Open-Space-Verfahren etwas genauer vorzustellen. Ich nutze die Anfrage, über die Künstlerkonferenz zu berichten, um nach der praktizierten Teilnahme am Open Space, diese Methode genauer zu betrachten.
Im Folgenden steht nicht das einmalige Ereignis „Hamburger Künstlerkonferenz“ im Zentrum, sondern das Open-Space-Verfahren mit seinen besonderen Möglichkeiten, Schwierigkeiten und Visionen.

Die ausführliche Übernahme der Darstellung der Open-Space-Methode aus Wikipedia ist seiner Besonderheit geschuldet. Ich halte es nicht nur für ein künstlerisches Verfahren, sondern es bietet der Kulturproduktion viele Chancen. Und schließlich kann eine genaue Betrachtung der Open-Space-Konzeption nicht nur mein Unbehagen nach der Künstlerkonferenz an der mangelhaften Umsetzung des Open-Space-Verfahrens erklären, sondern auch verdeutlichen, dass bei der Künstlerkonferenz vorerst die Möglichkeiten des Open Space verschenkt wurden.

Das Open Space Verfahren nach Wikipedia


Methode
Open Space „schafft einen Raum, in dem viele Menschen selbst organisiert und selbstverantwortlich ihre Anliegen gemeinschaftlich bearbeiten können. Die Methode besteht darin, dass es keine vorgegebenen einzelnen Themen gibt. Jeder kann ein Anliegen, das ihm besonders am Herzen liegt, vorantreiben. Das können komplexe und dringliche, gemeinsame, aber auch persönliche Fragen und Themen sein. Sie werden erst zu Beginn der Veranstaltung formuliert. Auch Konflikte können bearbeitet werden. So entsteht ein großer „Themen-Marktplatz“, auf dem sich die Teilnehmer zu Themengruppen zusammenschließen. Die Methode ermöglicht eine breite Beteiligung und erzeugt gegenseitiges Verständnis.

Themen
Open-Space steht immer unter einem Generalthema. Geeignete Themen haben eine oder mehrere der folgenden Eigenschaften:
* Dringend - es brennt den Teilnehmenden unter den Nägeln, es betrifft sie/geht sie an/berührt sie, und die Lösung hätte gestern bereits vorliegen sollen
* Breit angelegt - Raum für neue Ideen und kreative Lösungen
* Komplex - es gibt viele verschiedene Ideen und Wege, es kann nicht von einer Person gelöst werden
* Wichtig - von zentraler Bedeutung für die Zukunft des Systems

Teilnehmer
Entscheidend ist die richtige Auswahl der Teilnehmer. Sie müssen direkt betroffen und motiviert sein, etwas zu unternehmen. Es sollen möglichst unterschiedliche Menschen eingeladen werden (Berufsgruppen, Verantwortungsbereiche, Alter, aber auch Kunden, Nachbarn, etc.), darunter die wesentlichen Meinungsmacher und Multiplikatoren. Die Teilnahme muss freiwillig sein.

Regeln
Im Open Space gibt es vier Prinzipien (eigentlich eher Beobachtungen, wie sich die Welt zeigt)
* Wer auch immer kommt, es sind die richtigen Leute - einer oder 25 ist egal, und jeder ist wichtig und motiviert.
* Was auch immer geschieht, es ist okay - Ungeplantes und Unerwartetes ist oft kreativ und nützlich.
* Es beginnt, wenn die Zeit reif ist - wichtig ist die Energie (nicht die Pünktlichkeit)
* Vorbei ist vorbei - nicht vorbei ist nicht-vorbei - wenn die Energie zu Ende ist, ist die Zeit um.
Und ein Gesetz: Das Gesetz der zwei Füße: Das „Gesetz der zwei Füße“ ist Ausdruck der Freiheit und Selbstverantwortung: der Teilnehmer bleibt nur so lange in einer Gruppe, wie er es für sinnvoll erachtet, also solange wie er etwas lernen und/oder beitragen kann.
Wenn Menschen das Gesetz der zwei Füße anwenden, zeigen sie manchmal Verhaltensweisen, die metaphorisch mit den Begriffen „Hummeln" und „Schmetterlingen“ ausgedrückt werden könnten: „Hummeln“ flattern von Gruppe zu Gruppe und bilden eine Brücke zwischen den Themen durch häufige Gruppenwechsel, die „Schmetterlinge" flanieren und pausieren, sind einfach da und „sind schön".

Ungewöhnliches
Trotz der bis zu dreitägigen Dauer gibt es:
* keine typische Tagesordnung
* keine vorbestimmten Redner
* keine festgelegten Aufgaben

Dafür gibt es ein ganzzeitig zugängliches Pausenbuffet mit Fingerfood (Nüsse, Obst, Gemüse und Dips, Kaffee, Tee, Wasser und Saft), das sich über Mittag in ein Lunchbuffet verwandelt, um die größtmögliche Flexibilität für die Teilnehmenden in ihrer Tagesgestaltung zu gewährleisten.

Auswertung und Umsetzung
Die Arbeitsgruppen protokollieren die wichtigsten Punkte ihrer Ergebnisse. Das Begleitteam hängt die Protokolle an der Dokumentations-Wand aus. Das ermöglicht allen Teilnehmenden, sich zu jeder Zeit einen Überblick über die Zwischenergebnisse zu verschaffen. Die Protokolle werden kopiert und in einer Protokoll-Mappe für jeden Teilnehmer zusammengestellt.
Der letzte halbe Tag (Zeitabschnitt) dient der Auswertung und Planung der Umsetzung.
* Jeder Teilnehmer erhält bereits am Vorabend die Konferenzdokumentation mit Kopien aller Berichte der Arbeitsgruppen.
* Die Ergebnisse werden zu Themenblöcken zusammengeführt und von den Teilnehmern nach ihrer Bedeutung priorisiert.
* Die Topthemen werden noch einmal aufgegriffen und zu Verabredungen oder Maßnahmeplänen konkretisiert.
* In der Abschlussrunde berichtet jeder Teilnehmer, was ihn in den vergangenen Tagen besonders beeindruckt hat.

Vorbereitungsgruppe
Die Vorbereitungsgruppe ist verantwortlich für die Formulierung von Zielen und das Gesamtthema, für die Einladung der Teilnehmer, für die Organisation (Räume, Materialien, Essen, Dokumentation), für die Begrüßung zu Beginn, ggf. für die Auswertung. Nach der Veranstaltung unterstützt sie die Teilnehmer bei der Umsetzung.

Vor-/Nachteile: Stärken
* Komplexe Themen werden von vielen Menschen in sehr kurzer Zeit umfassend bearbeitet.
* Viele Leute sind bereit, sich für eine Sache nachhaltig zu engagieren.
* Fördert viele Ideen für Maßnahmen und die Motivation für Gruppen, diese dann auch umzusetzen.
* Wirkt immer gemeinschaftsbildend - man lernt sich neu und näher kennen, als dies zuvor im Arbeitsalltag möglich war.
* Zum Schluss liegt eine Dokumentation aller bearbeiteten Themen für alle TeilnehmerInnen bereit als Basis für die weitere Zusammenarbeit.

Vor-/Nachteile: Gefahren
* Wenn die Organisation die notwendigen Ressourcen zur Umsetzung der Ergebnisse nicht bereitstellen kann, schadet eine Open-Space-Veranstaltung - ungeachtet der Qualität der Ergebnisse auf dem Treffen. Motivation wandelt sich in Frustration.
* Gruppen sprechen heikle Themen evtl. gar nicht oder nicht offen an.
* Bei erzwungener Teilnahme besteht die Gefahr, dass in Gruppen nicht konstruktiv gearbeitet wird.


Nach der Konferenz
Der Erfolg einer Open-Space-Konferenz steht und fällt mit der Umsetzung der entstandenen Ideen. Oft sind die Teilnehmer danach so stark motiviert, dass von selbst die vielfältigsten Aktivitäten entstehen. Die Umsetzung muss aber immer unterstützt und begleitet werden. Dafür ist der Steuerkreis zuständig. Regelmäßig wird geprüft, welche Projekte welche Unterstützung benötigen. In Unternehmen muss das Management die benötigten Ressourcen für die Umsetzung bereitstellen (Arbeitszeit, Geld, Handlungsspielraum, etc.). Bei komplexeren Themen müssen feste Projektteams gebildet oder Gruppen weiter aufgeteilt werden.



Abweichungen der Hamburgerkünstlerkonferenz vom Open Space VerfahrenEin Vergleich der Theorie der Open-Space-Methode mit ihrer praktischen Anwendung auf dem Künstlerkongress verdeutlicht, dass meine latente Unzufriedenheit durch die inkonsequente Anwendung des Open-Space-Verfahren auf der Konferenz bedingt ist.

  1. Die Künstlerkonferenz war nicht auf eine Umsetzung der erarbeiteten Ergebnisse ausgerichtet. Nach der letzten Arbeitsgruppeneinheit gab es noch eine kurze Besprechung, jeder konnte sich äußern, die Verschickung der Protokolle und der Umgang mit den Teilnehmerlisten wurden erörtert. Nur intendiert der Open Space mehr als die Anfertigung von Protokollen. Er hat eine hohe pragmatische Zielsetzung. Und hier wurde es versäumt, Ergebnisse zu Themenblöcken zusammenzuführen, diese von den Teilnehmern nach ihrer Bedeutung priorisieren zu lassen und Maßnahmepläne zu konkretisieren. Standen die Ergebnisse schon vorher fest? Oder ist die Aufbruchenergie so stark, dass jetzt alles von alleine geht?
  2. Die Einsetzung eines so genannten Steuerkreises zur Unterstützung und Begleitung der möglichen, aus den Ergebnissen abgeleiteten Projekte, konnte ich nicht ausmachen. Das hat vielleicht einen ganz einfachen Grund. So ein Steuerkreis soll ja prüfen, welche Unterstützung Projekte benötigen. „In einem Unternehmen muss dann das Management die benötigten Ressourcen für die Umsetzung bereit stellen. (Arbeitszeit, Geld, Handlungsspielraum, etc.).“ Nur wenn das Management keine Ressourcen hat, dann braucht es auch keinen Steuerkreis einzusetzen, geschweige denn zu bezahlen.


Diese Abweichungen sind entscheidend. Warum fehlte die Ausrichtung auf eine Praxis, die nicht vorher definierte Ziele erarbeitet und Problem konkret angeht? Vielleicht ist mir eine angekündigte Zielsetzung nach dieser Methode, die ja darauf abzielt, konkrete Maßnahmen anzugehen, entgangen. Oder es sollte damit das von Kampnagel und Kunstverein gemeinsam intendierte Veranstaltungsprogramm mit einem „Auftakt“ angeschoben werden. Mag sein, dass später behauptet wird, dass man durch die Künstlerkonferenz die Künstler kennengelernt hat, die dann an dem Programm teilgenommen haben. Fraglich ist daran weniger, dass hier vielleicht ein Mythos geboren werden könnte, den es so gar nicht gegeben hat, denn die meisten der Anwesenden schien trotz der öffentlichen Ankündigung eher auf Grund einer persönlichen und direkten Ansprache von Kampnagel oder Kunstverein der Einladung zur Konferenz gefolgt. Nur ist dies KEINE Anwendung des Open Space Verfahrens. Dieses hat eben keine vorgefertigten Ziele, sondern erarbeitet die weiterführende Aufgaben erst währende des Open Space.

An Fragestellungen hat es nicht gefehlt. Künstler und Orte wie Kampnagel oder Kunstverein haben viele  konkrete und zum Teil auch schwerwiegende Probleme. Einige davon bildeten die Themen der Arbeitsgruppen. Das gewählte Open Space Verfahren aber bezweckt mehr, und mit ihm kann man auch mehr erreichen als die Anfertigung von Gesprächsprotokollen.  Es hat eine hohe pragmatische Zielsetzung. Und so stört mich vor allem die fehlende Umsetzung. Warum haben die Organisatoren des Open Space es versäumt, die Ergebnisse zu Themenblöcken zusammenzuführen, diese von den Teilnehmern nach ihrer Bedeutung priorisieren zu lassen und Maßnahmepläne zu konkretisieren? Gerade die inkonsequente Umsetzung dieses auf Praktische Ziele ausgerichtete Verfahren, weckt die Frage nach dem eigentlichen Ziel der Künstlerkonferenz. War es einfach ein sinnfreies Spiel, war es einfach nur Theater, oder gab es mit den Teilnehmern nicht kommunizierte Ziele? Welche könnten das sein?

Vielleicht habe ich zu hohe Erwartungen. Wir sind ja nicht in der Wirtschaftswelt, sondern in der Kultur. Es gibt kein Management und keine Angestellten, sondern (sehr vereinfacht) Intendanten/Kuratoren und Künstler usw.

Vielleicht erklärt diese nicht konsequente Anwendung meine latente Unzufriedenheit nach der Konferenz und ist ärgerlich. Aber vor allem führt sie ins Zentrum des Problems der Hamburger Kulturproduktion: Fehlendes Geld (bzw. die Art seiner Verwendung). Wenn man sich nur bekannt machen und kennen lernen wollte, hätte man auch zu einem Essen einladen können. Nur lässt man seine Gäste ja nicht für das Essen bezahlen
Fehlende Gelder sind ein großes Problem der Hamburger Kulturproduktion. Alternativen  in der Form oder Organisation der Kulturproduktion sind andere Probleme.Die Kulturgelder reichen, wenn überhaupt, oft nur für die Kosten der Infrastrukturen und deren „Verwaltung“. Was fehlt ist im wörtlichen Sinn „das Spielgeld“. Soweit ich weiß müssen selbst Kampnagel und der Kunstverein sämtliche Gelder für ihre Produkutionen und Programme zusätzlich einwerben und beantragen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass beim Open-Space keine konkreten Maßnahmen angegangen wurden, weil für diese einfach kein Geld da ist.
Fehlendes Geld in der Kulturproduktion, wird durch Eigenleistungen der Künstler wettgemacht. Lohnenswert könnte an dieser Stelle ein Exkurs zum „Eigenblutdoping“ (Titel eines kürzlich von Diedrich Diederichsen in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Kunstverein erschienen Buchs) sein.  Auch wenn mich die Frage treibt, wer bei diesem kulturellen Eignblutdoping eigentlich die Ärzte sind, spare ich mir die Darlegung und Diskussion von Sinn und Legitimität des Eigenblutdoping in der Kunst. 

Hier über fehlendes Geld zu lamentieren ist nicht die Rolle, die ich einnehmen möchte. Vielmehr will ich abschließend auf die organisatorischen Potenz des Open Space verweisen: das Open Space Verfahren kann zu der Frage der Resourcen von und Energiegewinnung durch Kunst eine Alternative (oder Ergänzung) darstellen. Es birgt die Möglichkeit selbst eine (künstlerische) Organisationsform zu sein. Diese wäre dann nicht dazu da andere Aufgaben zu haben noch reiner Selbstzweck zu sein. Im Wikipedia findet sich folgende Vision:

Vision: Open-Space-Organisation
Eine Firma, ein Gemeinwesen, ein Verband könnte auch als Open Space Organisation aufgebaut werden, in der dann jeder direkte persönliche Verantwortung übernimmt, über Hierarchie- oder gesellschaftliche Grenzen und Zuständigkeiten hinweg, in der sich Gruppen zusammenfinden und selbständig Themen bearbeiten und umsetzen. Dies setzt aber eine hohe Reife aller Beteiligter und der Gemeinschaft oder Organisation voraus.

Die Erwartung ist, dass solche Organisationen den traditionellen Formen überlegen sind durch schnellere Marktanpassung, schnelleres und größeres gemeinsames Wissen, höheren Identifikationsgrad der Mitglieder, mehr Blickwinkel durch den Input aller/vieler Org-Mitglieder usw.

So ein Open Space um-seiner-selbst- (seiner Kultur-) willen zu beginnen, wäre mehr als nur ein Spiel ohne Geld. Vielmehr würde es die vorhandenen Gelder anders verwenden. Und vor allem hätte es  die eben zitierten Folgen, die einige Probleme von Theatern und Kunstvereinen lösen würden.


Mich würde interessieren, inwieweit die Initiatoren der Künstlerkonferenz bereit sind, so eine Organisationsform umzusetzten  Einerseits würden diese Institutionen in ihrer bestehenden Form in Frage gestellt. Welche Form sie annimmt ist Open, das müsste das Verfahren ja erst noch selbst entwicklen. Sie ist aber nicht nur mit den Organisationsformen der gängigen Kulturinsitutionen nicht vergleichbar, sondern bringt auch andere Kunstformen mit sich. Toll.

Andererseits ist ja genau dies die Aufgabe von Kulturinstitutionen, neue Kunstformen zu produzieren und zu zeigen. Und für die Umsetzung dieser Vision des Open Space als Organisationsform bieten sich ja gerade Theater oder Kunstvereine als  Orte der Visionen an. Diese Betrachtung erscheint mir nun erstaunlich rund, und ich frage mich was gegen seine Umsetzung spricht. Mein Blick fällt auf eine Papiertüte mit  aufgedruckten Zitaten:

Nachgedacht über Worte eines Freundes:„Sonne müsste nachts scheinen, am Tag ist es doch sowieso hell“... Wieder geweint. Rum.


Kommentar [1]
Jens Haasen schrieb am 12.08.2009 08:16

Super-hilfreiche Reflektion beim Andenken eines open space im theaterhagen.

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