die iba ist alles und nichts

Von Jörg v. Prondzinski

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dieser text entstand anfänglich als kommentar zur „Nachbetrachtung zum Plenum im Pudelsalon“ von Brigitta Huhnke, die ja diverse lobpreisungen erhielt und denen ich mich anschließen wollte. dann kam die veranstaltung am 10.10.08 in der norderstraße, worauf ich jetzt auch reagiere. es wurde malwieder erstaunlich oft „wilhelmsburg“ und „iba“ gesagt. ich werde es jetzt auch wieder tun, obwohl ich mir des dilemmas bewußt bin: jede nennung macht das größer, was ich doch gerne kleiner hätte.

ich bin eingeborener der größten flußinsel der welt von hamburg, bin biologe und stadtteilagent und muß nicht nur miterleben, was per iba derzeit auf der insel veranstaltet wird, sondern habe auch erfahren können, was der insel in den früheren jahrzehnten so passiert ist.

den vielen beiträgen zur iba möchte ich meinen hinzufügen, wobei ich ein wenig schräg mit einer doppeleigenschaft, die auch eine zusammenfassung ist, einsteige:



die iba ist alles und nichts.

sie ist alles, wenn es um images geht, glänzendes und tolles, das für die zukunft versprochen wird.
sie ist nichts, wenn was schiefläuft, was nicht klappt, etwas entlarvt wird: dann hat die iba nichts damit zu tun, waren die projekte in anderer verantwortung. und sie ist (=schafft) auch nichts, was das konkrete bauen angeht.

letztendlich ist die iba also nichts. nichts, was anfaßbar wäre – außer dem bunten papier.

dennoch wirkt sie: sie ändert die inhalte von köpfen. auch mittels der kunst – dazu noch später.


was ist überhaupt eine iba?

wo iba draufsteht, steht nicht unbedingt qualitätssicherung dahinter. der begriff ist nicht geschützt; jedermensch kann nach belieben iba’en abhalten. früher kam mensch nur nicht so schnell darauf.
die historischen internationalen bauausstellungen (oder was im nachhinein so genannt wurde) – übrigens eine recht deutsche tradition – hatten immer einen paradigmenwechsel zum inhalt. eine neue (hauptsächlich bauliche) lösung für ein altes problem: etwas wurde neu angegangen, und die welt wurde ein besserer ort. als beispiel für dieses prinzip: die iba emscher-park. eine ausgebrauchte bergbaulandschaft wird einer neuen verwertung zugeführt (freizeit, touristik...)
wer sich nun aber fragt, was das neue an dieser iba ist, kann suchen – ist es neu, solarzellen auf alte gebäude zu kleben? bürotürme auf nicht mehr hafentaugliches hafenland zu stellen? einzelhäuser auf ökologisch wertvolles grünland? neue autobahnen durch die stadt zu bauen? solche „iba-ideen“ werden derzeit allerorten verwirklicht, sind in jedem fall nicht neu, teilweise sogar längst überwunden geglaubt.

nein, es geht um das virtuelle. und damit um das ändern geistiger landkarten. das ist billiger und lukrativer als das lösen der tatsächlichen probleme. um welche probleme es überhaupt geht, bzw nicht geht, versuche ich später im text zu verdeutlichen.


die kunst unterstützt...

was überhaupt geht, ist die kunst. alle kunst ist iba. was sowieso schon da ist, was in einer wie auch immer gearteten nähe ist und was zusätzlich eingeflogen wird. inhalt und qualität sind ohne belang, solange überall iba draufsteht. wer sich unbedacht oder in voller absicht im iba-land aufhält, ist sofort vereinnahmt. das muß dann auch nicht unbedingt bezahlt werden, denn mit der präsenz im hoheitsgebiet der iba wird selbstverständlich der rechteübertritt anerkannt. der fahrgast erkennt die beförderungsbedingungen mit betreten der fahrzeuge an. erstaunlich, wie das funktioniert. hauptsache es sind scheinbar alle dafür und sagen dabei alle ganz oft „iba“ und „wilhelmsburg“. wer zb nur mal irgendwas gefragt wurde, findet sich schnell in den broschüren als bestandteil des iba-kunst- und kultursommer wieder.

...und andere auch

auch im außerkunstbereich helfen alle: da muß garnicht so viel vereinnahmt werden, denn alles oberhalb des ganz gemeinen volks, also alles mit etwas höherem organisationsgrad ist für die iba.
der chancen wegen. weil die iba ja schonmal da ist. krähensolidarität, gentlemen-agreement, wie auch immer. ob die ibakonvention unterzeichnet wurde oder nicht.
(iba-konvention: unterzeichnerInnen verpflichten sich, die iba nach kräften zu unterstützen und verzichten auf ihr recht zur freien meinungsäußerung zu ibaangelegenheiten. eine gegenleistung wird nicht versprochen. näheres unter
www.iba-hamburg.org/de/02_gemeinsam/5_partner/konvention.php)
ein kritischer diskurs scheint in der koalition der willigen nicht stattzufinden (die werden mit schönen worten und schönen häppchen in schönen lounges bedient), alles andere ist draußen, in den niederungen der realität, somit nicht relevant. wichtig ist nur, daß aus allen richtungen unablässig „iba“ und „wilhelmsburg“ gerufen wird.


informationshoheit

die aneignung der alleinigen rechte an ihrer darstellung macht auch die geschichtsschreibung dieser iba schön geschmeidig. was nicht geklappt hat, war nie so gewollt, was schlecht lief, ist niemals iba gewesen. was aufgrund des scheiterns früherer ideen ersatzweise neu hinzuerfunden wird, war schon immer intendiert, und wenn irgendwann doch mal ein investor anbeißen sollte: das vorhaben wird dann seit je ziel der iba gewesen sein.

dazu 2 beispiele:
1. iba-projekt „wohnen mit der landschaft“ oder im volksmund ‚wohnen mit tieren’ in kirchdorf-mitte/nord: hier wurde mit allen erdenklichen mitteln versucht, die beteiligten naturschützerInnen für die bebauung der ökologisch hochwertigsten binnendeichsflächen wilhelmsburgs zu vereinnahmen: von grammatikalisch unsinnigen sätzen, die in den protokollen die gegenpositionen darstellen sollten bis zu – nachdem alle naturschutzfachleute sich nicht für die bebauung instrumentalisieren lassen wollten – einem eingeflogenen vogelschutz-„experten“, der die unbedenklichkeit des vorhabens bescheinigte (kibitze sterben sowieso). das vorhaben ließ sich nicht durchsetzen, und die iba kartete zunächst nach und zieh die naturschützerInnen der obstruktiven starrsinnigkeit, da sie den naturschutz auf der fraglichen fläche verunmöglicht hätten. der schutz wäre erst im zusammenhang mit der bebauung (!) der flächen möglich gewesen. kurz darauf schon propagierte die iba ihr hehres und universelles ziel, nicht auf die grüne wiese zu gehen, sondern im bestand zu wirken, konversionsflächen zu nutzen etc. vom naturschutz auf den wiesen kein wort mehr, was nebenbei zeigt, daß das vorherige naturschutzgerede nur der akzeptanzbeschaffung diente.
2. ansiedlung eines containerreparaturbetriebs in 100m entfernung zu bestehender wohnbebauung (gert-schwämmle-weg/industriestraße). das projekt wurde von der iba als ibawürdig vorgestellt, da wohnen und arbeiten miteinander in verbindung gebracht würden. jetzt werden dort ohne lärmschutz und open-air beulen aus containern rausgekloppt, was unerträglichen lärm erzeugt. und plötzlich ist es niemals ein ibaprojekt gewesen, und überhaupt hat die iba nichts mit den planungsfehlern anderer zu tun.


die aufwertungskarawane stört sich nicht an fehlschlägen.

daß die investoren generell noch nicht so ganz auf die iba fliegen, also auf die blase nicht reinfallen, ist auf den ersten blick ganz beruhigend.

wilhelmsburg ist ein haufen dreck. zumindest, was die umweltbelastung angeht. überall altlasten und obendrauf ein steter fallout der umgebenden industrie (affi, raffinerien, schiffsdiesel...) kohle-moorburg kommt hinzu. und der lärm: bahn, lkws, hafenbetriebe rundrum und nochmal mittendurch und mittendrin. alles wächst. möglichst 2stellig. das wachstum der schadfaktoren ist eben auch eine form / ein ausdruck von wachstum, und wachstum ist ein wert an sich. wirtschaftsfeindliche daumenschrauben, dirigismus, sozialismus – das haben wir überwunden. – und da wäre auch die handelskammer davor.

die zunahme der belastungen geht nicht nur auf kosten der bewohnerInnen, sondern kann auch das wegbleiben der investoren erklären.
dennoch verhilft die situation der bevölkerung nicht zu niedrigbleibenden mieten.

dazu kommt jetzt wieder die kunst ins spiel, oder besser die virtuelle alchimie.

scheiße wird zu gold erklärt. genauer gesagt: die städtische, aber private agentur namens iba hat 100 millionen für den kauf von goldlametta. das wird dann in die luft gepustet und gerufen: „gold! gold! seht alle her, es ist gold!“
nach einem etwas verzögerten paradigmenwechsel beim abendblatt (zuvor hieß es immer nur „scheiße, schon wieder neue scheiße in wilhelmsburg gefunden!“) leistet das medium millionenwerte dienste, indem es jetzt fast täglich erklärt, was alles tolles in wbg. abgeht, und daß alle kommen müssen, um dabeizusein. das wirkt. den früheren leerstand gibt es nicht mehr. der markt gibt jetzt mietsteigerungen her. 20%, was das gesetz hergibt. der mietenspiegel hilft: per definitionem gibt es in hamburg schlechtestenfalls nur mittlere
wohnlagen, egal wie vergiftet und laut es ist. und der mietenspiegel bildet mit den mietsteigerungen ein selbstspiralisierendes system. mieterhöhungen erhöhen seine werte und rechtfertigen damit weitere erhöhungen.

warum überhaupt die ganze show?

die mehrheit aller wohnungen auf der insel gehören saga/gwg. die städtische saga hat die städtische gwg von der stadt gekauft. die stadt verkauft in diesem fall das tafelsilber an sich selbst. oder anders: die stadt zahlt in ihren eigenen haushalt ein, läßt sich das geld aber von den mieterInnen ersetzen. da machts schon sinn, das dreckloch mit den mini-mieten zur schatzinsel zu erklären, um dann ordentlich abziehen zu können.
die wohnwertverbesserung dabei ganz im virtuellen zu belassen, macht übrigens auch aus nachhaltigkeitsgründen sinn: dank der beschleunigten klimaverbesserung auf unserem planeten rückt der zeitpunkt immer noch schneller näher, an dem wilhelmsburg (auch wenn das keineR mehr hören möchte) ein teil des meeresgrunds sein wird. da wären reale investitionen schnell vertan.

zurück zur kunst

dummerweise ist dabei jede noch so kritische künstlerische intervention nur eine weitere portion goldlametta, die die schatzinsel zunächst nochmal etwas spannender werden läßt.

oder gibt es doch den künstlerischen eingriff, der das gegenteil erreicht?



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