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Kommentar [1]
14. Dezember 2007

»Wings of Hope« – Ein vom Auswandererdenkmal zum Denkmal für Migration mutiertes Kunstwerk als Eingangsportal der Veddel?

von Nana Petzet

Über das von der CDU in der Bürgerschaft durchgesetzte Projekt Wings of Hope gab es bisher trotz der für »Kunst im öffentlichen Raum« vergleichsweise hohen städtischen Finanzierungssumme so gut wie keine öffentliche Auseinandersetzung. Mit diesem Artikel möchte ich als Künstlerin und Bewohnerin der Veddel eine Diskussion über das geplante Denkmal auf dem Wilhelmsburger Platz anregen.
VorgeschichteDie Entstehung des ursprünglichen Projekts, einer spiralförmigen Skulptur, wird in der Antwort des Senats auf die schriftliche Kleine Anfrage des Abgeordneten der GAL und Vorsitzenden des Kulturausschusses, Dr. Wilfried Maier (Drucksache 18/7058) so dargestellt:

„Die Stiftung Hamburg Maritim, Initiatorin und Förderin des Auswanderermuseums BallinStadt, hat im Jahr 2003 die Künstler Werner Schaarman und Wulf Kirschner mit der Entwicklung eines Auswandererdenkmals beauftragt.“

Wings of Hope stand also zunächst im Kontext der BallinStadt. Die Spirale ist auf allen Plänen in der Mitte der »Ballinpark« genannten Grünfläche vor der BallinStadt in der Nähe des Haupteingangs eingezeichnet. Sie sollte 16 Meter Durchmesser und eine Höhe von vier bis sechs Metern haben.


Hier sollte 'Wings of Hope' ursprünglich stehen; im Hintergrund, jenseits des Müggenburger Zollhafens, das Veddeler Wohngebiet

Der ursprüngliche Standort von Wings of Hope ist vom Wohngebiet durch eine Hochwasserschutzanlage und den Müggenburger Zollhafen getrennt. Der Standort war so gewählt, dass die Besucher der BallinStadt, vom Südausgang des Veddeler Bahnhofs kommend, direkt auf das Denkmal zugegangen wären. Hinter dem Denkmal hätte sich ein weiter Blick bis zum östlichen Ende des Ballinparks geöffnet, im Hintergrund Autobahn und Affinerie. Bis September dieses Jahres wurde das Projekt in seiner ursprünglichen Form (1) auf der Homepage der BallinStadt vorgestellt. Auf der Homepage war die Skizze einer vierfach gewundenen Spirale zu sehen. Formal hätte das Werk an Richard Serras begehbare Stahlspiralen erinnert, wäre da nicht die spitz zulaufende Form am Aus- bzw. Eingang der Skulptur gewesen. Entlang der geschwungenen Vorderkante des Abschlussstücks war in aufsteigender Richtung der Schriftzug Wings of Hope zu lesen.

Der Text zu dieser Skizze lautete:
„Es soll auf dem Grundriss einer Ellipse eine Spirale aus Beton errichtet werden. Am Eingang wird die Mauer mit einem großen kupfernen Dreieck verbunden, das die Anmutung eines Flügels oder Schiffsbugs hat. In dieses Dreieck wird der Schriftzug Wings of Hope eingebrannt. Die Spirale mit ihrer Eindrehung soll in nicht zu beklemmender Weise Sorge und Angst vor dem Neuen symbolisieren. Der Flügel oder Schiffsbug ist aufsteigend dynamisch und soll Hoffnung, Freude, Neugier symbolisieren. Das Denkmal ist eine begehbare Skulptur, welche die geflügelten Hoffnungen der Auswanderer und deren langen Weg zum Ziel greifbar und erfahrbar macht. Sie soll Sinnbild sein, für die gewundenen Straßen durch Europa nach Hamburg und für die Weiterreise auf den‚ Flügeln der Hoffnung’ über den Atlantik.“

Die Seite machte darüber hinaus ein Angebot an die Nachkommen der Ausgewanderten:

„Haben Sie Vorfahren, die auf den Flügeln der Hoffnung Europa verließen?
Möchten Sie an emigrierte Familienmitglieder erinnern? Sie können Ihren Namen, den Namen von Familienangehörigen oder einen Firmennamen auf einer Kupfertafel verewigen lassen. Die Namen werden mit Lasertechnik aus den Kupfertafeln ausgestanzt. Die Tafeln werden an den hellen Mauern der Wings of Hope angebracht, sind gut lesbar und können nicht verwittern.
Mit ihrer Voranmeldung unterstützen Sie den Aufbau des Auswanderermuseums maßgeblich.
Wählen Sie bitte unter den folgenden Angeboten aus:
Namensgravur mit bis zu 20 Zeichen = 100,- EUR zzgl. MWSt.
Namensgravur mit bis zu 40 Zeichen = 150,- EUR zzgl. MWSt.
Gravur eines Firmennamens mit bis zu 40 Zeichen = 250,- EUR zzgl. MWSt.“

Wings of Hope sollte also nicht nur seine eigenen Kosten aus Sponsorenmitteln einbringen, sondern darüber hinaus zur Finanzierung der BallinStadt beitragen. Als sich jedoch nur wenige Interessenten für Schriftzüge fanden und sich die Finanzierung der veranschlagten 270.000 Euro aus Sponsorenmitteln als illusorisch herausstellte, wollte die Betreiberfirma der BallinStadt, die LeisureWorkGroup, Wings of Hope nicht mehr realisieren. Vor ungefähr eineinhalb Jahren nahm sich dann die CDU-Fraktion in Gestalt der Bürgerschaftsabgeordneten Henning Finck und Brigitta Martens der Skulptur an. Brigitta Martens, Sprecherin der CDU-Fraktion für Bildende Kunst und Henning Finck, damals Abgeordneter und Sprecher der CDU-Fraktion für den Sprung über die Elbe, hatten die Idee, Wings of Hope ins Veddeler Wohngebiet zu transponieren, denn dann würde sich ein Finanzierungsweg finden. Die Veddel hat nämlich als strukturschwacher Stadtteil Anspruch auf Mittel aus einem ressortübergreifenden Sonderinvestitionsprogramm.Drucksache 18/6060Die Bemühungen von Brigitta Martens und Henning Finck um eine Transferierung des gescheiterten Projektes Wings of Hope in den öffentlichen Raum führten zur Drucksache 18/6060. Der Antrag der CDU-Fraktion wurde am 4.April 2007 von der Bürgerschaft gegen die Stimmen von SPD und Grünen beschlossen:

„Betreff: Investitionsfonds des Sonderinvestitionsprogrammes Hamburg 2010, hier: Gestaltung des Wilhelmsburger Platzes und des Weges zur BallinStadt. Der Wilhelmsburger Platz ist auf der Veddel mit seiner direkten Lage an der S-Bahnstation Veddel, dem Müggenburger Zollhafen und der Wilhelmsburger Brücke, die den direkten Weg zur BallinStadt bildet, der für Besucher der Veddel nächstgelegene Platz. Er ist das Bindeglied zwischen dem Stadtteil und der BallinStadt. Um die Besucher der BallinStadt auch in den Stadtteil zu lenken, muss das Bindeglied »Wilhelmsburger Platz« entsprechend anspruchsvoll gestaltet werden. 210.000 Euro sollen für den Platz selbst und für die Wegeverbindung über die Wilhelmsburger Brücke bis zur BallinStadt eingesetzt werden. Um den Platz künstlerisch gestalten zu können, soll das ursprünglich für den Ballinpark vorgesehene, begehbare Denkmal Wings of Hope (vgl. Drs. 18/3825), das sich in der aktuell vorliegenden Variante mit dem Thema Ein- und Auswanderung befasst, von den Künstlern Wulf Kirschner und Werner Schaarmann angekauft werden. Für das Denkmal sind 290.000 Euro veranschlagt. Der Senat wird ersucht, aus dem Volumen des Sonderinvestitionsprogrammes‚ Hamburg 2010 (SIP-Fonds) im Jahr 2008 die Gestaltung des Wilhelmsburger Platzes unter Realisierung des Denkmals Wings of Hope und des Weges zur BallinStadt für einen Kostenaufwand in Höhe von 500.000 Euro umzusetzen.“

Auffallend an der Beschlussvorlage ist, dass die Veddel nur aus der Perspektive der BallinStadt betrachtet wird. Die Bedeutung der Veddel, die eine weit längere Geschichte hat, als das im Juni dieses Jahres eröffnete Auswanderermuseum, wird mit keinem Wort erwähnt. Bei der Gestaltung einer derart zentralen Stelle der Veddel müsste aber der Stadtteil im Mittelpunkt des Interesses stehen und nicht die Anbindung des Stadtteils an die Ballinstadt. Stattdessen sollen nun die Veddel und ihre Geschichte unter dem Thema »Auswanderung« subsummiert werden. Dazu passen auch die Pläne für die Umbenennung der S-Bahnstation Veddel in S-Bahnstation BallinStadt.
Wilhelmsburger PlatzDer Wilhelmsburger Platz ist eine von Linden gesäumte Grünfläche, diagonal gekreuzt von einem breiten, gepflasterten Fußweg. Der Fußweg ist die direkte Verbindung vom Nordausgang des Veddeler S-Bahnhofes ins Viertel. Umgeben von Wohnblocks und S-Bahnhof öffnet sich der Platz in Richtung Müggenburger Zollhafen und Wihelmsburger Brücke. Die Linden sind schätzungsweise 60 Jahre alt. Mit Ausnahme einer Laterne hat der Wilhelmsburger Platz keine weitere Ausstattung. Er wirkt eher klein; das unregelmäßige Viereck des Platzes misst in beide Richtungen ca. 50 Meter.


Der Wilhelmsburger Platz – im Vergleich zum Ballinpark eine eher beengte Situation für ein Denkmal



Der quer über den Wilhelmsburger Platz verlaufende Fußweg ist die direkte Verbindung zwischen Viertel und S-Bahn

Die Lage des Veddeler Wohnviertels hat sich in den letzten hundert Jahren erheblich verändert. Auf allen drei Seiten haben sich verkehrstechnische Barrieren entwickelt: der Müggenburger Zollhafen mit der Hochwasserschutzanlage, die Bahnstrecke mit starkem Güterverkehr und die Autobahn. Deshalb braucht die Veddel den Wilhelmsburger Platz mit seinem offenen Charakter – sozusagen zum Atmen. Jedem, der die Situation vor Ort kennt, müsste eigentlich klar sein, dass die von der Bürgerschaft beschlossene Realisierung der 16 Meter langen und 4 bis 6 Meter hohen Betonspirale an diesem, im Vergleich zum Ursprungsstandort äußerst beengten Platz, mitten in einem Wohngebiet, reichlich absurd wäre: Der direkte Weg vom S-Bahnhof in den Stadtteil würde blockiert, die Bäume müssten teilweise gefällt werden und den am Platz gelegenen Lokalen und den Bewohnern der angrenzenden Häuser würde die Aussicht genommen.

Dies unterschlagend informierte die CDU Bürgerschaftsfraktion Hamburg unter der Überschrift „Veddel-BallinStadt – Auswandererwelt Hamburg: eine halbe Million Euro für den Wilhelmsburger Platz mit dem begehbaren Denkmal Wings of Hope“ in Zusammenhang mit der Drucksache18/6060 über die begehbare Spirale und die Presse nahm den Antrag zunächst durchweg positiv auf. Die Hamburger Morgenpost vom 10.März 2007 schrieb: „Schönheitskur für die Veddel: Mit 500.000 Euro wird der Wilhelmsburger Platz schick gemacht“ und zitierte den CDU-Parlamentarier Henning Finck: „Die BallinStadt muss aber auch einen Vorteil für die Veddel bieten, deshalb sollen die vornehmlich amerikanischen Besucher ins Viertel gelockt werden. Dafür wird die 16 Meter breite und acht Meter hohe, spiralförmige Skulptur Wings of Hope (Flügel der Hoffnung) gebaut.“
KorrekturenSeit dem Entschluss der Bürgerschaft für die begehbare Spirale hat sich „Wings of Hope“ allerdings stark verändert. Der neue Entwurf wirkt deutlich lustloser und uninspirierter als das erste Projekt. Er ist als Reaktion auf die üblichen Bedenken gegenüber derartigen Kunstwerken im öffentlichen Raum zu verstehen, die uneinsehbare und unkontrollierbare Innenräume bergen: Pinkelecke, Einladung zum Vandalismus etc. Hier sind die Künstler vermutlich den Einwänden von Seiten des Bezirks (das Bezirksamt Mitte muss die Skulptur genehmigen) und des Stadtteilbeirats gefolgt. Einzige verfügbare Quelle zum jetzigen Entwicklungsstand ist die im September geänderte Website der BallinStadt. Auf einer grünen Fläche mit hellblauem Hintergrund (der Wilhelmsburger Platz?) ist eine Zusammenstellung von drei stehenden Mauerstücken und einer liegenden, gebogenen Mauer zu sehen. Daneben steht ein höher aufragendes Gebilde, das unschwer als das auch als „Flügel“ bezeichnete, kupferne Endstück des ursprünglichen Entwurfs zu erkennen ist – immer noch versehen mit dem Schriftzug Wings of Hope. Die Spirale ist verschwunden. Die Begehbarkeit versteht sich bei einer derartigen Anhäufung niedriger Mauern von selbst.

Der Text zur Zeichnung lautet:
„Auf dem Wilhelmsburger Platz im Hamburger Stadtteil Veddel wird das Denkmal der Migration errichtet: Wings of Hope. Ein optisch signifikantes Zeichen, das in Richtung Westen auf Ellis Island weist, wird ergänzt um gebogene Betonmauern, die zu Ehren der Auswanderer und der Einwanderer durch Nachfahren, Familienangehörige oder auch persönlich angebracht werden. Auf diese Weise wird die Geschichte der Migration persönlich gemacht. Die Nachkommen der Emigranten und die Immigranten können ihre Namen für immer mit dieser wichtigen Station ihrer Familiengeschichte verbinden. Das Denkmal verbindet den Stadtteil Veddel mit der Auswandererwelt BallinStadt Port of Dreams. Die Einweihung des Denkmals ist für den 4. Juli 2008 vorgesehen.“

Klickt man auf »Registrieren Sie hier Ihren Namen für Wings of Hope«, ist zu lesen:
„Haben Sie Vorfahren, die auf den Flügeln der Hoffnung Europa verließen? Haben Sie Vorfahren, die nach Hamburg eingewandert sind? Möchten Sie an ausgewanderte oder eingewanderte Familienmitglieder erinnern?“

Auch die Preise für die Namensgravur sind gleich geblieben. Was fehlt ist nur der Satz:
„Mit ihrer Voranmeldung unterstützen Sie den Aufbau des Auswanderermuseums maßgeblich.“

Angaben über die Verwendung des erwarteten Spendengelds im Rahmen des zu 100% mit öffentlichen Mitteln finanzierten Projekts gibt es nicht.

In der früheren Darstellung von Wings of Hope auf der Homepage der Ballinstadt konnte man noch ein paar Sätze zur Idee des Kunstwerkes lesen:

„Es war in der Regel ökonomischer und politischer Druck, der Menschen zwang, in der Neuen Welt ihr Lebensglück zu suchen. Die Auswanderer waren voller Hoffnung, zugleich aber auch voller Angst vor dem Unbekannten. Diesen ambivalenten Emotionen wollen wir in unserem Entwurf Rechnung tragen.“

Solche Erklärungen sind jetzt einer nüchternen Zweckorientierung gewichen:

„Das Denkmal verbindet den Stadtteil Veddel mit der Auswandererwelt.“KunstkommissionDie Entscheidung Wings of Hope auf dem Wilhelmsburger Platz zu errichten, hätte nicht so schnell gefällt werden können, wenn man das bei der Vergabe öffentlicher Gelder für Kunst im öffentlichen Raum übliche Verfahren eingehalten hätte. Bereits der ursprüngliche Auftraggeber, die »Stiftung Maritim«, verzichtete auf den Einsatz einer Expertenkommission. Und – bei einer geplanten Finanzierung durch Sponsoren – gab es auch nicht die für die Vergabe öffentlicher Gelder übliche Ausschreibung. Bei der Übernahme des Projekts Wings of Hope durch die Stadt scheint die (mit einem eigenen Referat »Kunst im öffentlichen Raum« ausgestattete) Kulturbehörde bewusst übergangen worden zu sein. Der Jahresetat den die Kulturbehörde für »Kunst im öffentlichen Raum« zur Verfügung hat liegt mit 250.000 Euro um 40.000 Euro unter dem Budget von Wings of Hope. Der Teil des Etats, der nicht für den Unterhalt bestehender Kunstwerke und Gedenkstätten benötigt wird, wird in einem komplexen Auswahlverfahren an neue Projekte vergeben. Wichtigstes Entscheidungsgremium ist hier die »Kunstkommission«. Dieses Gremium setzt sich aus Kunstsachverständigen, Künstlern, Architekten und Vertretern der Bezirke zusammen. Es bleibt ein neuralgischer Punkt des politischen Entscheidungsprozesses in Bezug auf das Projekt Wings of Hope, dass Kulturbehörde und Kunstkommission übergangen wurden. Dies zeigt auch indirekt die Antwort des Senats auf die oben genannte Anfrage der GAL. Darin wird die geltende Verwaltungsanordnung über „Kunst im öffentlichen Raum“ zitiert, die die Beteiligung der Kunstkommission regelt:

Demnach „beschließt die Kunstkommission in Form von Empfehlungen an den Präses der Kulturbehörde:

- an welchen Orten »Kunst im Öffentlichen Raum« vorzusehen ist
- über Art und Zeitpunkt der Beteiligung der Künstlerinnen und Künstler
- über die Höhe der Mittel, die bereitgestellt werden sollen
- über das Verfahren, nach dem der oder die zu beauftragende Künstler/Künstlerin ermittelt wird
- bei freihändiger Vergabe die Auswahl des Künstlers/der Künstlerin beziehungsweise bei Ankäufen die Auswahl des Objekts.“

Die Antwort des Senats auf die Fragen: „Hat der Senat die Kunstkommission an den entsprechenden Entscheidungen beteiligt? Falls nein, warum hat der Senat gegen die Verwaltungsanordnung verstoßen?“ lautet:

„Eine Befassung der Kunstkommission ist nur in Fällen vorgesehen, in denen es sich um Kunstprojekte handelt, die aus den hierfür von der Bürgerschaft bereitgestellten Mitteln für den im Haushalt der Kulturbehörde eingestellten Etat des Programms „Kunst im öffentlichen Raum“ finanziert werden. Die Kunstkommission hat gleichwohl auf Grundlage der Drucksache 18/6060 über das Projekt Wings of Hope diskutiert.“

Dem Protokoll der 97. Sitzung der Kunstkommission am 29.Juni 2007 auf der auch Wings of Hope zum Thema gemacht wurde, entnehme ich, dass die Kunstkommission dies zum Anlass nahm, gesetzliche Regelungen, wie zum Beispiel die Änderung des Hamburgischen Wegegesetzes einzufordern, um für die Zukunft zu vermeiden, dass Kunstprojekte ohne Befassung der Kunstkommission, also ohne kunstsachverständige Beteiligung realisiert werden.

Auch die »Arbeitsgruppe Bildende Kunst«, mit mehr als zwanzig Mitgliedern von der Hamburger Kunsthalle bis zu den vielen Künstlerinitiativen der Stadt und seit Jahrzehnten beratendes Gremium der Kulturbehörde in allen Fragen der Bildenden Kunst in Hamburg, hat auf ihrer Sitzung am 12. September 2007 deutlich Kritik an Verfahren, Kosten und künstlerischer Qualität von Wings of Hope geübt. Ich zitiere aus dem Sitzungsprotokoll: „Ohne fachlichen Beirat, ohne internationale Ausschreibung und bar jeder Ausgabenkontrolle ist die auch künstlerisch fragwürdige Arbeit ein Affront gegen das Niveau des Programms ‚Kunst im öffentlichen Raum’, das nach wie vor überregional einen guten Ruf genießt.“
BürgerbeteiligungDer Wilhelmsburger Platz war in den vergangenen Jahren von der weiteren Entwicklung des Quartiers ausgenommen, weil die Fläche nach den Planungen des Senats für den Ausbau der Elbquerung »Freihafenbrücke« – Tunneleinfahrt für eine Unterquerung des S-Bahnhofs Veddel – vorbehalten war (»Bypass Veddel«). Diese neue Verkehrsverbindung über die Veddel war von den Initiativen des Stadtteils, der Quartiersentwicklung und dem Bezirk stets abgelehnt worden. Als dem Stadtteilbeirat Veddel im Juni 2007 das Vorhaben zur Umgestaltung des Wilhelmsburger Platzes u.a. durch die Künstler vorgestellt wurde, war man im ersten Augenblick erleichtert. Denn die Tunneleinfahrt für die vierspurige Unterquerung des S-Bahnhofs Veddel war somit offensichtlich vom Tisch. Man fühlte sich dennoch überrumpelt und vor vollendete Tatsachen gestellt. Auf der Veddel werden seit Jahren immer wieder Beteiligungsverfahren initiiert: von Stadtentwicklung, IBA, Saga usw. Ausgerechnet bei der Vergabe einer derartig hohen Summe für den zentralen Platz der Veddel, sind die Ideen und Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner offenbar nicht gefragt.

Der Stadtteilbeirat Veddel hat daraufhin in seiner Sitzung am 4.September 2007 folgende Stellungnahme verfasst:

„Der Stadtteilbeirat Veddel fordert eine Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger bei der Umgestaltung des Wilhelmsburger Platzes und bei der Frage, ob und wo das Denkmal Wings of Hope aufgestellt werden soll. Weiter hinterfragt der Beirat das Vergabeverfahren zum Bau des Denkmals und fordert eine Ausschreibung.“
TourismusIn der oben erwähnten Presseerklärung der CDU Bürgerschaftsfraktion Hamburg zur Drucksache 18/6060 wird der Abgeorgdnete Henning Finck zitiert:
„Wir als CDU zeigen, dass wir es mit der Entwicklung der Veddel ernst meinen und lenken so die Museumsbesucher in den kommenden In-Stadtteil. Damit erfüllen wir ein Wahlversprechen.“

Aber braucht die Veddel wirklich ein Denkmal, das auf Ellis Island ausgerichtet ist und am amerikanischen Unabhängigkeitstag eröffnet werden soll? Die Veddel ist ein ungewöhnlich kleines, ruhiges Wohnviertel und hat bedingt durch die Insellage einen fast dörflichen Charakter. Was die Einkommenssituation der Bewohner betrifft, ist die Veddel ein armer Stadtteil. Das Geld aus dem Sonderinvestitionsprogramm würde hier dringend für soziale Projekte benötigt. In Kenntnis der realen Situation darf man doch bezweifeln, dass der Erinnerungstourismus für die Veddel eine wünschenswerte Perspektive eröffnet.Denkmal der Migration Eine unreflektierte Vermischung der historischen Auswanderung nach Amerika und der gegenwärtigen Einwanderung nach Deutschland ist keine Ehrung der heute auf der Veddel lebenden Einwanderer. Dass das Denkmalprogramm »Migration« hier nur eine Notlösung ist, lässt sich auch in der Drucksache 18/6060 nachlesen, wo dieser entscheidende Aspekt nur dürftig umschrieben wird:
„… das ursprünglich für den Ballinpark vorgesehene, begehbare Denkmal Wings of Hope, das sich in der aktuell vorliegenden Variante mit dem Thema Ein- und Auswanderung befasst.“

In New York ist die Freiheitsstatue im Laufe der Geschichte zu einer signifikanten Verbildlichung der Versprechung geworden, die so viele Menschen in die neue Welt gezogen hat. Im Vergleich mit der Freiheitsstatue wird die Halbherzigkeit überdeutlich, mit der der inhaltliche Aspekt des „Denkmals der Migration“ hier behandelt wird.
Abgesehen von dem Problem der Vermischung des Auswanderer- und Einwandererthemas: Denkmäler stehen für Geschichte, für abgeschlossene Ereignisse. Die Namen von Migranten, die jetzt auf der Veddel leben, zu verewigen, hieße einen gegenwärtigen und noch längst nicht abgeschlossenen Prozess zu »historisieren«. Auch der Titel Wings of Hope der in Zusammenhang mit der Auswandererwelt »Port of Dreams« seine Berechtigung gehabt haben mag, kann bezogen auf die im Stadtteil lebenden Menschen leicht zu Missverständnissen führen.
IrritationenInzwischen hat die IGS (Internationale Gartenschau) vom Bezirksamt die Verantwortung für die Realisierung des Projekts Wings of Hope übertragen bekommen. Die Gelder sind aber noch nicht frei gegeben. Konkrete Aufträge an die Künstler, an Landschaftsplaner bzw. Gartenarchitekten sind noch nicht vergeben. Mit der Anfrage der GAL und der unbefriedigenden Antwort der Bürgerschaft ist das Projekt wieder auf die politische Ebene verschoben worden. Das heißt, das Ganze kann und muss jetzt neu überdacht werden. Dies könnte eine Verzögerung der Durchführung bedeuten. Selbst eine grundlegende Veränderung der Planungen ist nun wieder möglich.

Am 17. Dezember 2007 wird in der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt u.a. mit den Künstlern und Bezirkspolitikern von CDU, SPD und GAL ein Treffen stattfinden, in dem die aufgetretenen »Irritationen« diskutiert und für das Projekt Wings of Hope geworben werden soll.

Man darf gespannt sein, ob die Veddel tatsächlich am 4. Juli 2008 um eine Attraktion reicher sein wird:

Wings of Hope,
ein Denkmal der Realisierung privater Initiativen mit staatlichen Mitteln,
ein Denkmal der Umgehung demokratischer Kontrollmechanismen,
ein Denkmal naiver Instrumentalisierung der Kunst durch die Politik,
ein Denkmal politischer Ignoranz gegenüber der lokalen Bevölkerung.

(1) Abbildung des Ursprungsentwurfs auf der Seite des Künstlers Werner Schaarmann: http://www.netsamurai.de/netplanet-harburg/schaarmann-info.htm





Kommentar [1]
Klaus Lübke schrieb am 03.01.2008 10:41

Ich bin einer der wenigen Veddeler, die die Diskussion um die "Wings of Hope" mitbekommen und mit geführt haben. Ich habe eine von dem Artikel abweichende Ansicht zu dem Projekt.

Allerdings fühle ich mich nicht imstande den künstlerischen Wert der Entwürfe zu beurteilen. Ich bin auch der Ansicht, das dies eine Geschmackssache ist, und es sehr problematisch ist, über die Frage "Kunst oder nicht Kunst" in Parlamenten zu entscheiden.

Meine Frage ist eine andere: Nützt das Denkmal den Bewohnern auf der Veddel, bringt es dem Stadtteil etwas? Meine Antwort: Unter bestimmten Umständen ja.

Das Denkmal soll nicht auf der in dem Artikel dargestellten Fläche errichtet werden, sondern ein Stück südlich davon. Es würde also mitnichten eine Wegeverbindung zerstören.

Zum zweiten ist der Wilhelmsburger Platz direkt am Nordausgang, also der dem Stadtteil zugewandten Seite des Bahnhofes gelegen.
Der Zustand dieses Einganges, und des Bahnhofes insgesamt ist allerdings ein ständiges Thema, das viele Veddeler bewegt.

Die Aufwertung des Nordausganges der Station ist deshalb sehr wünschenswert. Hinzu kommt, das es vom Kasseneingang der Ballinstadt zum Nordausgang kürzer ist, als zum Südausgang. Der Weg von Norden ist darüber hinaus deutlich attraktiver.
Der Gesamte Ballinpark ist auch auf den Nordausgang hin ausgerichtet worden.

Die nunmehr realisierte Anbindung an den Südausgang der Bahnstation ist eine bedauerliche Fehlentwicklung, die sich scheinbar durch einen unabgestimmte "Hau-Ruck" Aktion kurz vor Fertigstellung der Anlage ergeben hat.

Das Denkmal "Wings of Hope" kann deshalb auf dem Wilhelmsburger Platz, und ein beträchtlicher Teil der von der Bürgerschaft bereitgestellten Mittel dienen desse Umgestaltung, ein Trittstein zwischen dem Quartier und der Ballinstadt darstellen.

Um dem Projekt an diesem Standort einen Sinn zu geben, muss also die eigentlich geplante, aber nicht realisierte Wegeverbindung zwischen der Ballinstadt und dem Nordausgang der Bahnstation, einschließlich des Einganges selbst aufgewertet werden.
Dies wäre für die Veddel sehr nützlich, und deshalb würde ich das Projekt in diesem Falle bejahen.

Bei der Kritik an der Einfädelung der Projektes und der mangelnden Bürgerbeteiligung bin ich aber ganz bei Ihnen. Meiner Ansicht nach hat dies letztendlich auch zu der kritischen Diskussion und der vorsichtig-Ablehnenden Haltung des Stadtteilbeirates (der übrigens hauptsächlich von Institutionen und nicht von den Veddelern bestimmt wird, und keine demokratische Legitimation hat) geführt.
Das Hochkochen des Streits durch Mitglieder der Bürgerschaft ist allerdings auch vor dem Hintergrund üblichen Parteienstreits zu sehen.

Auf meiner Webseite finden Sie eine weitere Stellungnahme und einige erläuternde Bilder von mir.

Mit freundlichen Grüssen von der Veddel

www.klaus-luebke.net

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